Sammlerfreunde

09. September 2018

Klaus Herda

Ich freue mich sehr, heute wieder einen Sammlerfreund in unserer noch sehr kleinen Runde vorstellen zu können. Klaus Herda aus Ansbach ist nicht nur Sammler von  Stuhlminiaturen, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden, er hat inzwischen auch eine Vielzahl interessanter  Stuhlentwürfe im Maßstab 1:6 selber angefertigt.

Gerne veröffentliche ich die folgenden von Klaus Herda gegebenen Informationen und wünsche den Freunden meines Blogs viel Freude bei der Lektüre.

Für Dirk Dowalds Rubrik „Sammlerfreunde“: Klaus Herda (Ansbach)

Wann die „Sammelei“ von Design-Miniaturen (neben alten Fotoapparaten und Uhren) bei mir wirklich begonnen hat, lässt sich nicht genau sagen: Interesse für Kunst und Kultur hatte ich immer schon – sicher in Verbindung mit meinem Beruf als Gymnasiallehrer – , aber wahrscheinlich waren es diverse Reisen, z.B. nach Weimar, Dessau, Paris, Utrecht u.a., die mir das Bauhaus, Le Corbusier  oder die De Stijl-Bewegung näher brachten und durch die ich Produktdesign lieben und schätzen lernte. Erstes Sammlungsobjekt war die Corbusier-Liege LC4, die ich, wenn schon nicht als 1:1 Möbel, so wenigstens als Miniatur in meiner Näher haben wollte. So bin ich wohl vor gut zehn Jahren auf die herrlichen Vitra-Miniaturen im Maßstab 1:6 gestoßen, die zwar auch weiterhin den Kern meiner bescheidenen Sammlung von rund 150 Exemplaren (80 erworbene und 70 selbst gebaute Stühlchen) bilden, aber mein Augenmerk ist nicht auf Vitra fixiert: So ergaben sich im Internet, aber vor allem auf Reisen immer wieder überraschende Entdeckungen (allerdings nicht immer im geliebten 1:6-Maßstab), z.B. Wirtshausstuhl in Augsburg, kubistischer Stuhl in Prag, Acrylstuhl in Metz, Chaise bleu in Nizza oder Pallone-Keramik in Leiden (siehe Abbildungen).

    

   

Im Laufe der Zeit tauchten für mich zwei zentrale Sammel-Probleme auf: Zum einen sind die meisten Miniaturen extrem kostspielig, zum anderen sind viele interessante Design-Entwürfe nicht mehr greifbar oder überhaupt nicht als Modell existent. Deshalb kam es zu der – im Nachhinein wunderbaren – Entscheidung, Miniaturstühle selbst zu bauen, obwohl ich auf dem Gebiet des Modellbaus völlig unerfahren war. Meine ersten Versuche waren der SOLID von Landes, der INNOVATION C von Mattson und der RIBBON CHAIR von Paulin:

  

Inzwischen sind mehr als 70 Miniaturen aus verschiedenen Epochen, von unterschiedlichen Designern und aus (fast) allen denkbaren Materialien (Holz, Acryl, Stoff, Aluminium, Leder) im Maßstab 1:6 entstanden. Im Gegensatz zu meinen „Vorbildern“ (Vitra, Dowald, Hinz) vertrete ich allerdings eine andere „Philosophie“: Nicht der exakte, perfekte Nachbau steht im Vordergrund, sondern ein, wie ich es nennen würde, „Nachempfinden“ des Designs in seiner speziellen Form und Wirkung.

So kann es durchaus sein, dass ich mir eine gewisse Freiheit bei der Wahl der Holzart, dem Polsterbezug u.a. herausnehme. Schließlich haben ja auch die Designer unterschiedliche Produktvarianten entworfen. Meine selbstgebauten Miniaturen sollen vor allem die zugrunde liegende Idee des Designers sinnvoll und ansprechend wiedergeben; eine präzise Replik sind sie aber sicherlich nicht. Deshalb ist eine gewisse „höfliche“ Distanz des Betrachters bei der Beurteilung angeraten 😉

Hier eine zufällige Auswahl meiner Eigenproduktionen:

Elena und Peter Simonik

26. August 2018

Miniatur „Lowstack Chair“

Inspiriert von Holzstapeln, so wie sie in Sägewerken und Tischlereien zu finden sind, entwarfen die Designer Elena und Peter Simonik aus Bratislava Anfang der 2010er Jahre Sitzmöbel und Regale aus gestapelten Leisten und Holzbrettern. Unter der Bezeichnung Lowstack entstanden Sessel und Bänke in unterschiedlichen Breiten, die verschieden großen Regale nannten sie Highstack.

Die Sitzfläche besteht genau wie die Rückenlehne aus langen Brettern, dagegen bilden sich die Seitenteile aus unterschiedlich kurzen Zuschnitten. Schicht für Schicht aufgestapelt, immer mit einer im rechten Winkel verlaufenden Distanzleiste  ergeben sich so Strukturen, die an die bereits erwähnten Holzstapel erinnern.

Eine Miniatur des Lowstack Chairs habe ich für meine Sammlung selber hergestellt.

Maße der Miniatur: 165 x 116 mm, 114 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Ausgehend von etwa einem Zoll starken Brettern bei den großen Originalen, habe ich für die Miniatur Kiefernholzleisten auf ca. 4 mm Stärke gehobelt und in unterschiedliche Breiten geschnitten. Das Untergestell besteht aus 7 x 7 mm starken Leisten für Beine und Querverbindungen, die die Beinpaare verbindenden Längstraversen haben das Maß 7 x 4 mm.

Das Untergestell habe ich mit Schlitz und Zapfen zusammengeleimt und so einen stabilen Unterbau für  die Miniatur erhalten. Auf den folgenden Bildern ist der weitere Aufbau der Miniatur, beginnend mit den unterschiedlich langen Sitzbrettern und den sich noch oben verjüngenden Brettern für die Rückenlehne zu sehen. Das Aufleimen der kurzen Brettchen für die Seitenteile setzte größte Sorgfalt voraus, da der kleinste Versatz sofort ins Auge fiel.

  

Gemeinsam mit anderen Miniaturen aus Leisten und kleinen Brettchen habe ich den Lowstack Chair in einer meiner Vitrinen dekoriert.

Das folgende Bild zeigt links die Vitra-Miniatur „Favela“, hergestellt aus vielen kleinen Leisten in unterschiedlichen Breiten und Längen. Es folgt rechts neben dem Lowstack Chair die Miniatur „db Sedia“ von Martino Gamper. Diese Miniatur besteht aus 12 kleinen Brettern, die durch vier Leisten miteinander verbunden sind. Die Miniatur ist eine Anfertigung von Gerard Dago Jové aus Spanien. Auch die ganz rechts stehende Miniatur ist ein kleine Besonderheit. Es handelt sich um den Stuhl „Sedia 1123P“ einem Entwurf von Enzo Mari und hergestellt von dem italienischen Designer Sandro Catani.

Front Design

12. August 2018

Miniatur „Sketch Chair“

Der Sketch Chair gehört zu einer Möbelserie, die im Jahr 2005 vom schwedischen Designstudio Front entworfen wurde. Der Entwurf des Stuhls wurde mit einem Laserstift frei in den Raum gezeichnet (s. Video) und mit Hilfe von Motion Capturing – einer Technologie zur Bewegungserfassung -in eine digitale 3D-Datei umgewandelt. Die so erfassten Daten werden genutzt, den Stuhl Schicht für Schicht im 3D-Druckverfahren herzustellen.

Die Miniatur des Sketch Chairs wird seit März diesen Jahres vom Vitra Design Museum hergestellt.

Maße der Miniatur: 79 x 82 mm, 128 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 20 2579 01

Die Miniatur ist genau wie das große Original im 3D-Drucker entstanden. Ausführliche Informationen zum Druckverfahren und zur Oberflächenbeschichtung recherchiere ich gerade und werde später ausführlich darüber berichten.

Zur Miniatur gehört das oben abgebildete Holzkistchen und eine kleine Begleitbroschüre.

Peter Maly, Alessandro Mendini, Mart Stam

28. Juli 2018

Miniaturen aus der Sammlung Georgi

Die auf den folgenden Bildern zu sehenden Miniaturen aus der Sammlung von Benedikt Georgi sind wieder kleine Raritäten. Es handelt sich um Prototypen bzw. Einzelanfertigungen, die vom Vitra Design Museum nicht in die Miniatures Collection aufgenommen wurden.

Die Bilder stellte mir Herr Georgi zur Verfügung und ich freue mich, diese außergewöhnlichen Miniaturen veröffentlichen zu können.

Miniatur „Zyklus“
Design: Peter Maly
Jahr: 1983
Maße der Miniatur: 120 x 160 mm, 120 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Metallelemente verchromt, Bezüge Leder schwarz

Miniatur „Zig-Zag-Stuhl – Redesign“
Design: Alessandro Mendini
Jahr: 1978
Maße der Miniatur: 125 x 90 mm, 224 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Kiefernholz 

Miniatur „Deckel-Vase 100% Make up“
Design: Alessandro Mendini
Jahr: 1992
Maße der Miniatur: 42 mm Ø, 128 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:3
Hersteller der Miniatur: Alessi
Ausführung: Porzellan, goldfarbig

Miniatur „S 33“
Design: Mart Stam
Jahr: 1926
Maße der Miniatur: 90 x 100 mm, 133 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Gebogener Eisendraht / Leder

Joris Laarman

15. Juli 2018

Miniatur „Bone Chair“

Der Bone Chair ist ein Entwurf des niederländischen Designers Joris Laarman aus dem Jahr 2006. Das Design des im Aluminiumgussverfahren hergestellte Stuhls ist von einem Computerprogramm berechnet, welches das Wachstum menschlicher Knochenstrukturen simuliert und aufzeichnet. Die Strukturen des Stuhls werden so berechnet, daß an Stellen mit hoher Belastung Material aufgebaut wird und an Stellen mit geringer Belastung weniger Material eingesetzt wird.

Zur Herstellung des Stuhls produzierte ein 3D-Drucker eine mehrteilige Keramikgussform, die nach dem Zusammenbau mit geschmolzenem Aluminium ausgegossen wurde. Nach dem Entformen wurde der Bone Chair in Handarbeit geschliffen und poliert.

Die Miniatur des Bone Chairs wird vom Vitra Design Museum hergestellt.

Maße der Miniatur: 74 x 129 mm, 126 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 20 2577 01

Genau wie für das große Original wird im 3D-Drucker eine Gussform in verkleinertem Maßstab hergestellt, die mit Aluminium ausgegossen wird. Alle Oberflächen sind sauber geschliffen, die Außenflächen von Sitz und Rücken sind geschliffen und hochglänzend poliert.

Zur Miniatur gehört das oben abgebildete Holzkistchen und ein Zertifikat.

Röntgen-Museum Neuwied

08. Juli 2018

Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne

Eine Ausstellung im Röntgen-Museum Neuwied.
Ausstellungsdauer: 17. Juni bis 4. November 2018.

In der Ausstellung werden Möbel aus der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Moderne gezeigt, deren gebogene Möbelteile aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellt wurden. Anfertigungen des französisch-belgischem Kunsttischlers Jean-Joseph Chapuis und Michael Thonet begeistern ebenso, wie die Entwürfe von Alvar Aalto, Marcel Breuer und anderer Entwerfer. Stuhlminiaturen aus meiner Sammlung ergänzen diese interessante Ausstellung und werden sehr wirkungsvoll in verschiedenen Vitrinen gezeigt.

Im“Aalto/Breuer Raum“ sind neben den großen Originalen von Alvar Aalto und Marcel Breuer Miniaturen beider Architekten im Maßstab 1:5 und 1:6 aus meiner Sammlung zu sehen.

Sehr seltene Minia-turen, wie der Hocker E60, der Liegestuhl Nr. 43 und der Paimio Beistelltisch von Alvar Aalto, der Isokon Dining Chair und der Stuhl für das Bryn Mawr College von Marcel Breuer sind ausgestellt.

Die Miniaturen des End Tables oder des Zig-Zag Stuhls aus gebogenem Holz – nach den Entwürfen von Gerrit Rietveld – sind Einzelanfertigungen und kleine Raritäten.

In dieser Vitrine sind zwei meiner Stuhlminiaturen ausgestellt, die wie die großen Vorbilder komplett aus Sperrholz hergestellt sind. Links der aus dem damals neuen Material Sperrholz entworfene Plywood Chair von Isaak Cole aus dem Jahr 1873 und daneben der 74 Jahre später entworfene Sperrholzsessel von Herbert von Thaden. Die verwendeten Elemente und Grundformen beider Entwürfe sind nahezu identisch und es ist davon auszugehen, daß sich Herbert von Thaden an dem Entwurf von Cole orientiert hat.

Im Bereich dieser Vitrine ist eine Informationstafel zu den Miniaturen angebracht und eine weitere Tafel zeigt den von Isaak Cole gestellten Patentantrag aus dem Jahr 1874.

  

In einer dreiteiligen Wandvitrine befinden sich weitere aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellte Miniaturen, die maßstabsgetreu auf ein Sechstel der historischen Vorbilder verkleinert sind und in Konstruktion, Material und Farbgebung mit diesen übereinstimmen.

Beginnend mit dem Bopparder Sessel, dessen Gestell aus schichtverleimtem Holz und der Sitz aus Sperrholz hergestellt ist, werden weitere Thonet Entwürfe mit Sperrholzsitzen gezeigt, die nicht die bisher angebotenen Sitze aus Geflecht ersetzten, aber wirtschaftlicher hergestellt werden konnten und eine größere Stabilität aufwiesen.

Entwürfen der Wiener Architekten Hoffmann, Moser und Wagner aus der Zeit um 1905 folgen der Freischwinger ST 14 von Hans und Wassili Luckhardt, der Sitzgeiststuhl von Heinz und Bodo Rasch sowie der Freischwinger S 43 von Mart Stam.

Auch die schon neuzeitlicheren Entwürfe von Hans J. Wegner, Arne Jocobsen und Grete Jalk sind ausgestellt.

Grete Jalks Laminated Chair, Eddie Harlis‘ Stuhl S 664 (die Miniatur in blau ) und Hans Sandgren Jakobsens Gallery-Hocker stellten eine große Herausforderung an die Biegetechnik dar. Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit gelang es, mehrere Schichten Furniere für den Gallery-Hocker dreidimensional  zu verformen. Dagegen wurde die Sitzschale von Harlis‘ S 664 in zwei Segmenten verformt und anschließen miteinander verleimt. Auch von Grete Jalks Laminated Chair wurden das Sitz- und Rückenelement getrennt verformt und anschließend durch eine Schraubverbindung zusammengefügt.

Es folgen weitere interessante Miniaturen aus dem Werkstoff Sperrholz, zu denen auch der von Jasper Morrison im Jahr 1989 entworfene Ply-Chair gehört. Hier wird das anpassungsfähige Sperrholz genutzt um eine Sitzfläche nachgiebig zu gestalten. Die Oberkante des unter dem Sitz eingebauten Holzkreuzes nimmt zur Mitte hin ab und erlaubt bei Belastung ein Nachgeben der Sitzfläche.

Zur Ausstellung ist das begleitende Buch „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ erschienen und im Röntgen-Museum erhältlich.

Jorge Pensi

01. Juli 2018

Miniatur „Gimlet Stuhl“

Der Gimlet Stuhl ist ein Entwurf des spanischen Designers Jorge Pensi aus dem Jahr 2003 und wird vom Möbelhersteller Mobles 114 in Barcelona hergestellt. Die Sitzschale aus Polyurethanschaum wird in dunkelgrau, beigegrau, rotbraun und olivgrün angeboten. Das Rundrohrgestell des stapelbaren Stuhls  ist hellgrau lackiert. Die Produktfamilie Gimlet besteht aus Stühlen mit und ohne Armlehnen, jeweils mit Vierfuß- und Kufengestell sowie als höhenverstellbarem Drehstuhl mit Fünfsternfuß und Doppelrollen.

Die Miniatur des Gimlet Stuhls wurde als Werbemodell von Mobles 114 hergestellt.

Maße der Miniatur: 85 x 80 mm, 130 mm hoch.

Maßstab: 1:6

Die Sitzschale der Miniatur besteht aus dunkelgrau durchgefärbtem Polypropylen, die vier hellgrauen Stuhlbeine sind aus Kunstoff angefertigt und in die Sitzschale eingelassen.

Zur Miniatur gehört eine bedruckte Faltschachtel aus hellbraunem Wellkarton und ein kleines Faltblatt mit den abgebildetetn Modellen der Stuhlfamilie-Gimlet.

Isaac I. Cole

17. Juni 2018

Miniatur “ Plywood Chair“

 „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“
Eine Auststellung im Röntgen-Museum Neuwied 
17.06.-04.11.18

Heute wird im Röntgen-Museum Neuwied die Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ eröffnet. Bis zum 4.11.2018 werden Möbel, deren gebogene Möbelteile aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellt wurden, gezeigt.

Für die Ausstellung habe ich eine Miniatur des Plywood Chairs, einem Entwurf von Isaac I. Cole, angefertigt und sie dem Röntgen-Museum leihweise zur Verfügung gestellt. Bereits 1873 entwarf Isaac I. Cole aus New Jersey/USA diesen Stuhl aus dem damals neuartigen Material Sperrholz und meldete 1874 ein Patent auf diesen Stuhl an. Das von Cole hergestellte Patentmodell im Maßstab ca. 1:5 befindet sich heute im Besitz des Museum of Modern Art in New York.

Die folgenden Bilder zeigen die Miniatur und verschiedene Arbeitsschritte der Anfertigung.

Maße der Miniatur: 80 x 102 mm, 179 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: ca. 1:6

Um die Konturen und Proportionen des von Cole entworfenen Stuhls möglichst genau wiederzugeben, habe ich zunächst Skizzen von der Sitzschale und den Einlagen im Maßstab 1:6 angefertigt. Eine Papierschablone der Sitz- und Rückenfläche, aufgeklebt auf eine ausgeschnittene Seitenkontur aus Sperrholz, ermöglichte mir nach einigen kleinen Korrekturen, die Rückenlehnenneigung und die Gesamthöhe festzulegen.

Die Einlagen in der Sitzschale habe ich mit einem Schaftfräser ausgeschnitten und später auf eine untergeleimte, quer verlaufende Furnier-Mittellage passgenau wieder eingeleimt. Um nun die Konturen der Sitzschale zu formen, habe ich aus einem zusammengeleimten MDF-Block eine Form geschnitten und die zwei bereits verleimten Furnierlagen mit einer dritten Lage Furnier unter hohem Druck dauerhaft verformt und verleimt. Die gleiche Vorgehensweise habe ich für die äußere Rückenplatte und das Verbindungselement unter der Sitzfläche angewendet. Nach gründlichem Schleifen aller drei Bauteile habe ich diese nach einem vorher festgelegten Farbton leicht gebeizt und matt lackiert. Der letzte Arbeitsschritt war das Verleimen aller drei Teile und eine leichte Nachbearbeitung der Kantenausbildung.

  

Aus meinem Bücherschrank

17. Juni 2018

Schichten
Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne

„Der vorliegende Band stellt die Geschichte von Schicht- und Sperrholz vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre ausführlich dar. Im Mittelpunkt stehen die Möbel, doch auch die technischen und historischen Voraussetzungen zu ihrer Herstellung werden erläutert.

Der französisch/belgische Kunst-tischler Jean-Joseph Chapuis und Michael Thonet waren die ersten, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihren Werkstätten verschiedene Herstellungsver-fahren entwickelten, gebogene Möbelteile aus Schichtholz herzustellen. Wenn sie sich auch überwiegend noch an den klassizistischen oder biedermeierlichen Formen-Repertoire ihrer Zeit orientierten, so weisen ihre technischen Lösungen weit in das 20 Jahrhundert voraus.

Die Erfolgsgeschichte von Sperrholz beginnt mit der industriellen Revolution, da Sperrholz – jeweils um 90 Grad sich kreuzende Furniere werden miteinander verleimt – nur fabrikmäßig und mit dem Einsatz entsprechender Maschinen wirtschaftlich zu erzeugen ist. In der Sperrholztechnologie waren die USA führend, in Europa enstehen die ersten Fabriken in den 1880er Jahren.

Die 1920er Jahre sind eine Zeit des Umbruchs und Wandels, auch im Möbeldesign. Architekten und Entwerfer beginnen damit, sich intensiver mit Schicht- und Sperrholz zu beschäftigen. Dazu gehören die Gebrüder Rasch, Alvar Aalto und Gerald Summers. Marcel Breuer schuf während seiner Zeit in England für Isokon eine Reihe von – auch bisher unbekannten – Möbeln, welche die gestalterischen Möglichkeiten dieser modernen Materialien auf eine zuvor nicht gekannte Art und Weise erweiterten. Alle Entwürfe aus dieser Zeit werden hier erstmals ausführlich und detailliert vorgestellt. Neben Alvar Aalto ist Marcel Breuer sicher der für die Moderne der 1930er Jahre wichtigste Entwerfer; beide verwenden Schichtholz und Sperrholz in einer dem Material gemäßen Form und bauen Möbel, die zu der modernen Architektur und Lebensumwelt passen und unsere Wohnungen bis heute prägen.“

Klappentext des Buches: Wolfgang Thillmann.

Patrick Jouin

03. Juni 2018

Miniatur „Solid C2“

Das Vitra Design Museum hat die Miniaturenkollektion um vier neue Miniaturen erweitert. Eine dieser Miniaturen ist der Stuhl Solid C2 im Maßstab 1:6, den der französische Designer Patrick Jouin im Jahr 2004 entwarf. In meiner Sammlung befindet sich bereits eine Miniatur dieses Stuhles im Maßstab 1:5, die anlässlich der im Jahr 2010 im Centre Pompidou in Paris stattgefundenen Ausstellung „Patrick Jouin – La substance du design“ hergestellt wurde.

Die vom Vitra Design Museum aufgelegte Miniatur unterscheidet sich im Wesentlichen von der für das Centre Pompidou hergestellten Miniatur in der Größe und der Oberflächenbeschichtung. Die transparente Struktur der im Stereolithografieverfahren gedruckten Miniatur ist rot beschichtet und weist eine matte, fast „samtweiche“ Oberfläche auf.

Maße:  69 x 92 mm, 133 mm hoch.

Maßstab: 1:6

Artikelnummer: 20 2578 01

Neu bei Vitra ist ein modifiziertes Holzkistchen und ein neu gestaltetes Zertifikat. Der Schiebedeckel des Holzkistchens ist nicht mehr mit dem praktischen „Griffloch“ ausgestattet, enthält aber jetzt aufgedruckte Angaben zum Modell und dem Designer des Stuhlentwurfs. Das neue 2-seitige Zertifikat enthält Angaben zum Designer und der Modellbezeichnung der Miniatur und ist zusätzlich mit der Signatur des Designers versehen. Zum Zertifikat gehört ein passendes, einseitig offenes und bedrucktes weißes Kuvert.

Das unten zu sehende Bild zeigt den Größenunterschied der Miniaturen im Maßstab 1:5 und 1:6.