Sammlerfreunde

21. Oktober 2018

Miniaturen aus der Sammlung Herda

Wie Klaus Herda bereits berichtet, sammelt er nicht nur Miniaturen verschiedener Hersteller, sondern baut mit großer Leidenschaft auch selber Miniaturen. Hier zeige ich nun drei seiner letzten Anfertigungen, die wirklich ganz toll geworden sind und aus sehr unterschiedlichen Materialien bestehen.


Fotos (3): Klaus Herda

Miniatur „Swopper“
Maßstab: 1:6
Maße: Ø oben 65 mm , unten 85 mm , 110 mm hoch.
Entwurf: Werksentwurf aeris, 1997

Zu den verbauten Materialien schreibt Klaus Herda:
„Meine Miniatur ist aus Holz mit Hammerschlaglack; die Feder (die leider nicht federt, was ich eigentlich wollte) ist ein Rest (anderer Stühlchen) eines Aludrahts, der Sitz ist aus Holz mit Schaumstoff und knallrotem Jersey-Stoff überzogen.“

Miniatur „Ekstrem“
Maßstab: 1:6
Maße: 125 x 130 mm, 135 mm hoch.
Entwurf: Terje Ekstrøm, 1972

Und hier die „Baubeschreibung“ von Klaus Herda:
„Mein Modell ist aus Dichtungsmaterial (voller runder 16mm starker Schaumstoffwurm), den ich mit einem 4mm Aludraht mittig durchbohrt habe, dann gebogen und schließlich mit Piqué-Jersey-Stoff (auf Deutsch: altes grünes Polohemd) überzogen habe, was eine Scheiß-Arbeit war (Entschuldigung, aber der Stoff rutsche nicht über den Schaumstoff trotz guten Zuredens meinerseits!!).“

Miniatur „Variable Balans“
Maßstab: 1:6
Maße: 125 x 80 mm, 87 mm hoch.
Entwurf: Peter Opsvik 1979 / Konzept: Hans Christian Mengshoel

Ausführung: Kiefernholz natur, weinroter Filzbezug auf Formschaum-stoff.

Gerald Summers

07. Oktober 2018

Miniatur „Z-Tisch“


Miniatur im Maßstab 1:6

Der Z-Tisch ist ein Entwurf Gerald Summers‘ aus dem Jahr 1936.

Das Gestell des Tisches besteht aus einer halbkreisförmig verleimten Birkensperrholzplatte und ist ähnlich einem „Z“ von beiden Seiten ausgeschnitten. Die obere Platte liegt auf dem um Plattenstärke ausgeschnittenen Gestellteil auf und schließ bündig mit der Oberkante des verbleibenden Teils ab. Auch die untere Platte liegt auf dem Gestell auf und wird durch ein zusätzliches Sockelstück in der Größe eines Viertelkreises unterstützt. Die Schnittkanten der 19 mm starken Platten sind nicht mit Umleimern versehen, so daß die 13-lagige Sperrholzverleimung sichtbar bleibt.

Der in der Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ ausgestellte Tisch war Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur. Das Schnittmuster und die Maße der Einzelelemente habe ich dem zur Ausstellung erschienen Buch von Wolfgang Thillmann entnommen.

Maße der Miniatur: 92 x 55 mm, 75 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Um das Plattenmaterial auf  ein Sechstel der Original-Materialstärke zu verkleinern, habe ich fünf Lagen ca. 0,55 mm starkes Birkenfurnier plan, bzw. halbkreisförmig miteinander verleimt und entsprechend zugeschnitten. Die runden Tischplatten und das Tischgestell (in der Mitte der Materialstärke gemessen) haben einen Durchmesser von 55 mm und sind mit den fünf Lagen Furnier knapp 3,3 mm stark.

Die folgenden Bilder zeigen einige Schritte meiner Anfertigung: In einer aus einem verleimten MDF-Blog ausgeschnittenen Form habe ich mit einem kreisrunden Gegenstück die Furnierlagen verformt und verleimt. Nach Aushärten des Leims habe ich die Konturen ausgeschnitten, alles gründlich geschliffen und abschließend mit Klarlack beschichtet. Aus den plan verleimten Sperrholzplatten sind die runden Tischplatten entstanden und anschließend genauso bearbeitet worden. Vor Anbringung der Tischplatten habe ich nach kleinen Korrekturen die genauen Positionen festgelegt und für eine feste Verbindung an den passenden Stellen kleine Dübel eingeleimt.

Gerald Summers

23. September 2018

Miniatur „High Back Chair“

Der von dem Briten Gerald Summers im Jahr 1934 entworfene High Back Chair ist einer von etwa einhundert Möbelentwürfen, die in den Jahren von 1931 bis 1940 in dem von Summers gegründetem Unternehmen Makers of Simple Furniture Ltd. hergestellt  wurden. Mit seinen sehr eigenständigen Möbelentwürfen aus Sperrholz war Summers in den 1930er Jahren der wohl innovativste Designer der britischen Moderne.

Der High Back Chair besteht aus zwei identisch zugeschnittenen Seitenteilen, einer quer verlaufenden vorderen Zarge und einer fest eingebauten Trägerplatte zur Aufnahme des Sitzpolsters. Der umhüllende Sperrholzmantel mit dem hoch ausgeschnittenen Rückenteil und ein aufgeschraubtes, mit Stoff bezogenes Sitzpolster, komplettierten diesen wunderschönen Stuhlentwurf.

Der in der Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“  im Röntgen Museum Neuweid gezeigte High Back Chair war Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur.

Maße der Miniatur: 72 x 69 mm, 171 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Sperrholz für die Miniatur habe ich aus 0,6 mm starkem Birkenfurnier in zwei unterschiedlichen Stärken wieder selber hergestellt. Für Seiten, Zarge und Sitz habe ich fünf Lagen Furnier kreuzweise verleimt, dagegen besteht der dünnere Sperrholzmantel aus nur drei Lagen Furnier.

Das im Buch zur Ausstellung abgebildete Schnittmuster des Sperrholzmantels war sehr hilfreich beim Zuschneiden aller Einzelteile. Auch die angegebenen Maße gaben mir große Sicherheit, die Miniatur maßstabsgetreu anzufertigen. Eine große Herausforderung war die Schwalbenschwanzverbindung, welche die Seiten mit der vorderen Zarge verbinden. Aber auch das ist gelungen und gibt der gesamten Konstruktion eine große Stabilität. Das Sitzpolster, mit einem leicht gestreiften Stoffbezug und die seidenmatte Lackierung der Holzteile tragen dazu bei, daß die Miniatur vom Original kaum zu unterscheiden ist:-)

Die folgenden drei Bilder zeigen die bereits verleimte Innenkonstruktion mit und ohne Sperrholzmantel.

Sammlerfreunde

09. September 2018

Klaus Herda

Ich freue mich sehr, heute wieder einen Sammlerfreund in unserer noch sehr kleinen Runde vorstellen zu können. Klaus Herda aus Ansbach ist nicht nur Sammler von  Stuhlminiaturen, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden, er hat inzwischen auch eine Vielzahl interessanter  Stuhlentwürfe im Maßstab 1:6 selber angefertigt.

Gerne veröffentliche ich die folgenden von Klaus Herda gegebenen Informationen und wünsche den Freunden meines Blogs viel Freude bei der Lektüre.

Für Dirk Dowalds Rubrik „Sammlerfreunde“: Klaus Herda (Ansbach)

Wann die „Sammelei“ von Design-Miniaturen (neben alten Fotoapparaten und Uhren) bei mir wirklich begonnen hat, lässt sich nicht genau sagen: Interesse für Kunst und Kultur hatte ich immer schon – sicher in Verbindung mit meinem Beruf als Gymnasiallehrer – , aber wahrscheinlich waren es diverse Reisen, z.B. nach Weimar, Dessau, Paris, Utrecht u.a., die mir das Bauhaus, Le Corbusier  oder die De Stijl-Bewegung näher brachten und durch die ich Produktdesign lieben und schätzen lernte. Erstes Sammlungsobjekt war die Corbusier-Liege LC4, die ich, wenn schon nicht als 1:1 Möbel, so wenigstens als Miniatur in meiner Näher haben wollte. So bin ich wohl vor gut zehn Jahren auf die herrlichen Vitra-Miniaturen im Maßstab 1:6 gestoßen, die zwar auch weiterhin den Kern meiner bescheidenen Sammlung von rund 150 Exemplaren (80 erworbene und 70 selbst gebaute Stühlchen) bilden, aber mein Augenmerk ist nicht auf Vitra fixiert: So ergaben sich im Internet, aber vor allem auf Reisen immer wieder überraschende Entdeckungen (allerdings nicht immer im geliebten 1:6-Maßstab), z.B. Wirtshausstuhl in Augsburg, kubistischer Stuhl in Prag, Acrylstuhl in Metz, Chaise bleu in Nizza oder Pallone-Keramik in Leiden (siehe Abbildungen).

    

   

Im Laufe der Zeit tauchten für mich zwei zentrale Sammel-Probleme auf: Zum einen sind die meisten Miniaturen extrem kostspielig, zum anderen sind viele interessante Design-Entwürfe nicht mehr greifbar oder überhaupt nicht als Modell existent. Deshalb kam es zu der – im Nachhinein wunderbaren – Entscheidung, Miniaturstühle selbst zu bauen, obwohl ich auf dem Gebiet des Modellbaus völlig unerfahren war. Meine ersten Versuche waren der SOLID von Landes, der INNOVATION C von Mattson und der RIBBON CHAIR von Paulin:

  

Inzwischen sind mehr als 70 Miniaturen aus verschiedenen Epochen, von unterschiedlichen Designern und aus (fast) allen denkbaren Materialien (Holz, Acryl, Stoff, Aluminium, Leder) im Maßstab 1:6 entstanden. Im Gegensatz zu meinen „Vorbildern“ (Vitra, Dowald, Hinz) vertrete ich allerdings eine andere „Philosophie“: Nicht der exakte, perfekte Nachbau steht im Vordergrund, sondern ein, wie ich es nennen würde, „Nachempfinden“ des Designs in seiner speziellen Form und Wirkung.

So kann es durchaus sein, dass ich mir eine gewisse Freiheit bei der Wahl der Holzart, dem Polsterbezug u.a. herausnehme. Schließlich haben ja auch die Designer unterschiedliche Produktvarianten entworfen. Meine selbstgebauten Miniaturen sollen vor allem die zugrunde liegende Idee des Designers sinnvoll und ansprechend wiedergeben; eine präzise Replik sind sie aber sicherlich nicht. Deshalb ist eine gewisse „höfliche“ Distanz des Betrachters bei der Beurteilung angeraten 😉

Hier eine zufällige Auswahl meiner Eigenproduktionen:

Elena und Peter Simonik

26. August 2018

Miniatur „Lowstack Chair“

Inspiriert von Holzstapeln, so wie sie in Sägewerken und Tischlereien zu finden sind, entwarfen die Designer Elena und Peter Simonik aus Bratislava Anfang der 2010er Jahre Sitzmöbel und Regale aus gestapelten Leisten und Holzbrettern. Unter der Bezeichnung Lowstack entstanden Sessel und Bänke in unterschiedlichen Breiten, die verschieden großen Regale nannten sie Highstack.

Die Sitzfläche besteht genau wie die Rückenlehne aus langen Brettern, dagegen bilden sich die Seitenteile aus unterschiedlich kurzen Zuschnitten. Schicht für Schicht aufgestapelt, immer mit einer im rechten Winkel verlaufenden Distanzleiste  ergeben sich so Strukturen, die an die bereits erwähnten Holzstapel erinnern.

Eine Miniatur des Lowstack Chairs habe ich für meine Sammlung selber hergestellt.

Maße der Miniatur: 165 x 116 mm, 114 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Ausgehend von etwa einem Zoll starken Brettern bei den großen Originalen, habe ich für die Miniatur Kiefernholzleisten auf ca. 4 mm Stärke gehobelt und in unterschiedliche Breiten geschnitten. Das Untergestell besteht aus 7 x 7 mm starken Leisten für Beine und Querverbindungen, die die Beinpaare verbindenden Längstraversen haben das Maß 7 x 4 mm.

Das Untergestell habe ich mit Schlitz und Zapfen zusammengeleimt und so einen stabilen Unterbau für  die Miniatur erhalten. Auf den folgenden Bildern ist der weitere Aufbau der Miniatur, beginnend mit den unterschiedlich langen Sitzbrettern und den sich noch oben verjüngenden Brettern für die Rückenlehne zu sehen. Das Aufleimen der kurzen Brettchen für die Seitenteile setzte größte Sorgfalt voraus, da der kleinste Versatz sofort ins Auge fiel.

  

Gemeinsam mit anderen Miniaturen aus Leisten und kleinen Brettchen habe ich den Lowstack Chair in einer meiner Vitrinen dekoriert.

Das folgende Bild zeigt links die Vitra-Miniatur „Favela“, hergestellt aus vielen kleinen Leisten in unterschiedlichen Breiten und Längen. Es folgt rechts neben dem Lowstack Chair die Miniatur „db Sedia“ von Martino Gamper. Diese Miniatur besteht aus 12 kleinen Brettern, die durch vier Leisten miteinander verbunden sind. Die Miniatur ist eine Anfertigung von Gerard Dago Jové aus Spanien. Auch die ganz rechts stehende Miniatur ist ein kleine Besonderheit. Es handelt sich um den Stuhl „Sedia 1123P“ einem Entwurf von Enzo Mari und hergestellt von dem italienischen Designer Sandro Catani.

Front Design

12. August 2018

Miniatur „Sketch Chair“

Der Sketch Chair gehört zu einer Möbelserie, die im Jahr 2005 vom schwedischen Designstudio Front entworfen wurde. Der Entwurf des Stuhls wurde mit einem Laserstift frei in den Raum gezeichnet (s. Video) und mit Hilfe von Motion Capturing – einer Technologie zur Bewegungserfassung -in eine digitale 3D-Datei umgewandelt. Die so erfassten Daten werden genutzt, den Stuhl Schicht für Schicht im 3D-Druckverfahren herzustellen.

Die Miniatur des Sketch Chairs wird seit März diesen Jahres vom Vitra Design Museum hergestellt.

Maße der Miniatur: 79 x 82 mm, 128 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 20 2579 01

Die Miniatur ist genau wie das große Original im 3D-Drucker entstanden. Ausführliche Informationen zum Druckverfahren und zur Oberflächenbeschichtung recherchiere ich gerade und werde später darüber berichten.

Zur Miniatur gehört das oben abgebildete Holzkistchen und eine kleine Begleitbroschüre.

Peter Maly, Alessandro Mendini, Mart Stam

28. Juli 2018

Miniaturen aus der Sammlung Georgi

Die auf den folgenden Bildern zu sehenden Miniaturen aus der Sammlung von Benedikt Georgi sind wieder kleine Raritäten. Es handelt sich um Prototypen bzw. Einzelanfertigungen, die vom Vitra Design Museum nicht in die Miniatures Collection aufgenommen wurden.

Die Bilder stellte mir Herr Georgi zur Verfügung und ich freue mich, diese außergewöhnlichen Miniaturen veröffentlichen zu können.

Miniatur „Zyklus“
Design: Peter Maly
Jahr: 1983
Maße der Miniatur: 120 x 160 mm, 120 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Metallelemente verchromt, Bezüge Leder schwarz

Miniatur „Zig-Zag-Stuhl – Redesign“
Design: Alessandro Mendini
Jahr: 1978
Maße der Miniatur: 125 x 90 mm, 224 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Kiefernholz 

Miniatur „Deckel-Vase 100% Make up“
Design: Alessandro Mendini
Jahr: 1992
Maße der Miniatur: 42 mm Ø, 128 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:3
Hersteller der Miniatur: Alessi
Ausführung: Porzellan, goldfarbig

Miniatur „S 33“
Design: Mart Stam
Jahr: 1926
Maße der Miniatur: 90 x 100 mm, 133 mm hoch
Maßstab der Miniatur: 1:6
Ausführung: Gebogener Eisendraht / Leder

Joris Laarman

15. Juli 2018

Miniatur „Bone Chair“

Der Bone Chair ist ein Entwurf des niederländischen Designers Joris Laarman aus dem Jahr 2006. Das Design des im Aluminiumgussverfahren hergestellte Stuhls ist von einem Computerprogramm berechnet, welches das Wachstum menschlicher Knochenstrukturen simuliert und aufzeichnet. Die Strukturen des Stuhls werden so berechnet, daß an Stellen mit hoher Belastung Material aufgebaut wird und an Stellen mit geringer Belastung weniger Material eingesetzt wird.

Zur Herstellung des Stuhls produzierte ein 3D-Drucker eine mehrteilige Keramikgussform, die nach dem Zusammenbau mit geschmolzenem Aluminium ausgegossen wurde. Nach dem Entformen wurde der Bone Chair in Handarbeit geschliffen und poliert.

Die Miniatur des Bone Chairs wird vom Vitra Design Museum hergestellt.

Maße der Miniatur: 74 x 129 mm, 126 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 20 2577 01

Genau wie für das große Original wird im 3D-Drucker eine Gussform in verkleinertem Maßstab hergestellt, die mit Aluminium ausgegossen wird. Alle Oberflächen sind sauber geschliffen, die Außenflächen von Sitz und Rücken sind geschliffen und hochglänzend poliert.

Zur Miniatur gehört das oben abgebildete Holzkistchen und ein Zertifikat.

Röntgen-Museum Neuwied

08. Juli 2018

Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne

Eine Ausstellung im Röntgen-Museum Neuwied.
Ausstellungsdauer: 17. Juni bis 4. November 2018.

In der Ausstellung werden Möbel aus der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Moderne gezeigt, deren gebogene Möbelteile aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellt wurden. Anfertigungen des französisch-belgischem Kunsttischlers Jean-Joseph Chapuis und Michael Thonet begeistern ebenso, wie die Entwürfe von Alvar Aalto, Marcel Breuer und anderer Entwerfer. Stuhlminiaturen aus meiner Sammlung ergänzen diese interessante Ausstellung und werden sehr wirkungsvoll in verschiedenen Vitrinen gezeigt.

Im“Aalto/Breuer Raum“ sind neben den großen Originalen von Alvar Aalto und Marcel Breuer Miniaturen beider Architekten im Maßstab 1:5 und 1:6 aus meiner Sammlung zu sehen.

Sehr seltene Minia-turen, wie der Hocker E60, der Liegestuhl Nr. 43 und der Paimio Beistelltisch von Alvar Aalto, der Isokon Dining Chair und der Stuhl für das Bryn Mawr College von Marcel Breuer sind ausgestellt.

Die Miniaturen des End Tables oder des Zig-Zag Stuhls aus gebogenem Holz – nach den Entwürfen von Gerrit Rietveld – sind Einzelanfertigungen und kleine Raritäten.

In dieser Vitrine sind zwei meiner Stuhlminiaturen ausgestellt, die wie die großen Vorbilder komplett aus Sperrholz hergestellt sind. Links der aus dem damals neuen Material Sperrholz entworfene Plywood Chair von Isaak Cole aus dem Jahr 1873 und daneben der 74 Jahre später entworfene Sperrholzsessel von Herbert von Thaden. Die verwendeten Elemente und Grundformen beider Entwürfe sind nahezu identisch und es ist davon auszugehen, daß sich Herbert von Thaden an dem Entwurf von Cole orientiert hat.

Im Bereich dieser Vitrine ist eine Informationstafel zu den Miniaturen angebracht und eine weitere Tafel zeigt den von Isaak Cole gestellten Patentantrag aus dem Jahr 1874.

  

In einer dreiteiligen Wandvitrine befinden sich weitere aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellte Miniaturen, die maßstabsgetreu auf ein Sechstel der historischen Vorbilder verkleinert sind und in Konstruktion, Material und Farbgebung mit diesen übereinstimmen.

Beginnend mit dem Bopparder Sessel, dessen Gestell aus schichtverleimtem Holz und der Sitz aus Sperrholz hergestellt ist, werden weitere Thonet Entwürfe mit Sperrholzsitzen gezeigt, die nicht die bisher angebotenen Sitze aus Geflecht ersetzten, aber wirtschaftlicher hergestellt werden konnten und eine größere Stabilität aufwiesen.

Entwürfen der Wiener Architekten Hoffmann, Moser und Wagner aus der Zeit um 1905 folgen der Freischwinger ST 14 von Hans und Wassili Luckhardt, der Sitzgeiststuhl von Heinz und Bodo Rasch sowie der Freischwinger S 43 von Mart Stam.

Auch die schon neuzeitlicheren Entwürfe von Hans J. Wegner, Arne Jocobsen und Grete Jalk sind ausgestellt.

Grete Jalks Laminated Chair, Eddie Harlis‘ Stuhl S 664 (die Miniatur in blau ) und Hans Sandgren Jakobsens Gallery-Hocker stellten eine große Herausforderung an die Biegetechnik dar. Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit gelang es, mehrere Schichten Furniere für den Gallery-Hocker dreidimensional  zu verformen. Dagegen wurde die Sitzschale von Harlis‘ S 664 in zwei Segmenten verformt und anschließen miteinander verleimt. Auch von Grete Jalks Laminated Chair wurden das Sitz- und Rückenelement getrennt verformt und anschließend durch eine Schraubverbindung zusammengefügt.

Es folgen weitere interessante Miniaturen aus dem Werkstoff Sperrholz, zu denen auch der von Jasper Morrison im Jahr 1989 entworfene Ply-Chair gehört. Hier wird das anpassungsfähige Sperrholz genutzt um eine Sitzfläche nachgiebig zu gestalten. Die Oberkante des unter dem Sitz eingebauten Holzkreuzes nimmt zur Mitte hin ab und erlaubt bei Belastung ein Nachgeben der Sitzfläche.

Zur Ausstellung ist das begleitende Buch „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ erschienen und im Röntgen-Museum erhältlich.

Jorge Pensi

01. Juli 2018

Miniatur „Gimlet Stuhl“

Der Gimlet Stuhl ist ein Entwurf des spanischen Designers Jorge Pensi aus dem Jahr 2003 und wird vom Möbelhersteller Mobles 114 in Barcelona hergestellt. Die Sitzschale aus Polyurethanschaum wird in dunkelgrau, beigegrau, rotbraun und olivgrün angeboten. Das Rundrohrgestell des stapelbaren Stuhls  ist hellgrau lackiert. Die Produktfamilie Gimlet besteht aus Stühlen mit und ohne Armlehnen, jeweils mit Vierfuß- und Kufengestell sowie als höhenverstellbarem Drehstuhl mit Fünfsternfuß und Doppelrollen.

Die Miniatur des Gimlet Stuhls wurde als Werbemodell von Mobles 114 hergestellt.

Maße der Miniatur: 85 x 80 mm, 130 mm hoch.

Maßstab: 1:6

Die Sitzschale der Miniatur besteht aus dunkelgrau durchgefärbtem Polypropylen, die vier hellgrauen Stuhlbeine sind aus Kunstoff angefertigt und in die Sitzschale eingelassen.

Zur Miniatur gehört eine bedruckte Faltschachtel aus hellbraunem Wellkarton und ein kleines Faltblatt mit den abgebildetetn Modellen der Stuhlfamilie-Gimlet.