Sammlerfreunde

Ein (weiterer) Blick in die Miniaturen-Werkstatt von Sammlerfreund Klaus Herda

Designer sind einfallsreiche Menschen, die uns mit ihren außergewöhnlichen Ideen oft in Erstaunen versetzen. Abgesehen von ungewöhnlichen, gewagten oder überraschenden, auf jeden Fall aber bewundernswerten Einfällen gibt es immer wieder auch sehr humorvolle, lustige Entwürfe, deren „Erfindung“ dem Designer selbst sicher sehr viel Spaß gemacht hat, die aber auch dem Betrachter ein Lächeln oder Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Einige dieser witzigen Stühle hat Klaus Herda in seiner Werkstatt im Maßstab 1:6 nachgebaut:

 

Links: Ein Exemplar der Stühle „Him and Her“ von Fabio Novembre aus Keramiplast auf der Basis eines Panton chairs.

Rechts: Renaissance Stuhl von Christophe de la Fontaine aus Holz, Stoff und einem Deko-Eimerchen.

 

Links: Der „Osterei-Sessel“ (nach einem unbekannten Designer) aus Keramiplast mit gelbem Stoffkissen.

Rechts: „Valentine Gesture Chair“ („Auf dem Schoß sitzen“) von Yingjie Chen aus Holz und gebogenem weißen Acrylglas.

 

Links: „Höhenverstellbarer Balgenkamera-Stuhl mit Teak-Abstellbrett“ (Eigenentwurf von Klaus Herda) unter Verwendung einer alten Laufbodenkamera, Holz und Acrylglas.

Rechts: Der „Explicit Chair“ von Ronen Kadushin aus Holz und einer Barbie-Strumpfhose.

Einen witzigen Höhepunkt stellt sicher der „Banquette-“ oder „Stuffed Animal-“ Chair der brasilianischen Designer-Brüder Campana dar, dessen Metallgestell mit vielen NICI®-Schlüsselanhängern bestückt wurde; er ist zwar keine identische Kopie des großen Originals, wirkt aber als Miniatur mit seinen netten Plüschtierchen genauso lustig und putzig!

Text und Fotos: Klaus Herda

Charlotte Perriand

Miniatur „Ombre“

Charlotte Perriand entwarf Ombre, den kleinen stapelbaren Stuhl aus Holz, im Jahr 1954. Im gleichen Jahr wurden mehrere Exemplare für die im April 1955 geplante Ausstellung „Synthèse des Arts“ im Kaufhaus Takashimaya/Tokyo hergestellt. Perriand griff beim Entwurf des Stuhls auf eine Technik zurück, in der aus einer einzigen schichtverleimten Platte Vorderbeine, Hinterbeine und Rückenlehne ausgeschnitten und anschließend in die gewünschte Form gebogen werden. Die Rückenlehne trennte sie in zwei Teile, bog sie, um eine körperangepaßte Form zu erreichen, in der Mitte leicht nach hinten und vermied so eine aufwendige dreidimensionale Verformung der Platte.

Der Entwurf des Stuhls zeigt sehr deutlich den starken japanischen Einfluß auf Charlotte Perriand, der auf einen mehrjährigen Arbeitsaufenthalt in Japan, Anfang der 1940er Jahre, zurückzuführen ist.

Die Miniatur des Stuhls wurde vom Vitra Design Museum in einer Auflage von 10 Exemplaren hergestellt. Je eine Miniatur fand den Weg in die vier produzierten Sätze der Wanderausstellung „Designmaßstäbe – 100 klassische Sitzmöbel“, die ab Juni 1997 weltweit parallel gezeigt wurden. Eine der sechs verbliebenen Miniaturen konnte ich für meine Sammlung erwerben.

Maße der Miniatur: 69 x 86 mm, 109 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Genau wie das große Original ist die Miniatur durchgängig aus verformtem Schichtholz hergestellt, schwarz gebeizt und seidenmatt lackiert.

 

 

Aus meinem Bücherschrank

Charlotte Perriand
Ihr Leben als moderne und unabhängige Frau

1927 betritt die 24-jährige Charlotte Perriand (1903-1999) mit einer Mappe von Zeichnungen das Atelier des Architekten Le Corbusier in Paris, um sich als Architektin vorzustellen. »Wir sticken hier keine Kissen« versucht sie der Meister persönlich abzuwimmeln. Nach dem Herbstsalon im Grand Palais in Paris revidiert er sein Urteil und stellt die junge Frau ein, die unter anderem die legendäre Chaiselongue (B306) entwerfen wird. Charlotte Perriand wird 10 Jahre im Büro von Le Corbusier bleiben, um dann politisch und künstlerisch ihren eigenen Weg zu suchen und erfolgreich zu gehen. »Wir arbeiteten immer mit Idealen« wird sie später auf die Frage nach ihrem Konzept antworten, und das ist gleichzeitig auch ihr Lebenscredo. Perriand hatte sich zum Ziel gesetzt, kreative und zugleich funktionale Wohnräume zu schaffen, im festen Glauben daran, dass schönes Design eine bessere Gesellschaft zu schaffen vermag. »Ich sagte mir nie, dass ich eine Frau unter Männern war. Ich lebte in einer Symbiose mit ihnen, und zufällig waren sie Männer.« Charlotte Perriand

Text: Klappentext des Verlages

Marcel Breuer

Miniatur „Isokon Long Chair“

In meinem Beitrag vom 13. Januar 2019 berichte ich über die Miniatur des Long Chairs von Marcel Breuer, die Halil Hinz für seine eigene Sammlung anfertigte.

Inzwischen hat Halil Hinz acht weitere Miniaturen hergestellt und die Nr. 4/8 konnte ich bereits im Januar erwerben. Die handwerkliche Ausführung ist wieder ganz fantastisch und die Miniatur ist für meine Sammlung natürlich ein ganz besonders wertvoller Neuerwerb.

Nicht nur die Miniatur ist ein kleines Kunstwerk, auch die von Halil Hinz neu konzipierten Holzkistchen können sich sehen lassen. Die Kistchen gibt es jetzt in unterschiedlichen Größen, modular aufeinander abgestimmt und deshalb leicht stapelbar und platzsparend unterzubringen. In die „Schiebetüre“ des Kistchen sind die zentralen Angaben zur Miniatur, die Auflagenhöhe und die jeweilige Entwurfszeichnung eingelasert.