Die Stadt der Stühle – Maxiaturen in Weil

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Foto © Dirk Dowald

Anlässlich einer Reise nach Weil am Rhein sah ich am Vorabend meiner geplanten Heimfahrt vor dem Landgasthof Rebstock in Weil-Haltingen zum ersten Mal eine der Maxiaturen, wie sie in den unterschiedlichsten Ausführungen und Größen im gesamten Stadtgebiet von Weil ausgestellt sind.
Vor dem Hotel stand hoch oben auf einer installierten Metallplatte der Rot-Blaue-Stuhl von Gerrit Rietveld.

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Foto 
© Dirk Dowald

Ich war begeistert und nahm mir vor, bei meinem nächsten Besuch alle Maxiaturen zu fotografieren, um sie in meinem Blog zu veröffentlichen.

Gut vorbereitet reiste ich dann im August 2012 wieder in die “Stadt der Stühle” und dort gezielt von einem Stuhlstandort zum anderen.

Stuhlentwürfe namhafter Architekten und Designer in unterschiedlichen Maßstäben von 1,5:1 bis 8:1 stehen nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch in den etwas abgelegenen Ortsteilen Friedlingen, Haltingen, Ötlingen und Märkt. Ausgedehnte Fußmärsche und Temperaturen weit über der 30 Grad Marke hielten mich nicht davon ab, auch nur eine Maxiatur auszulassen.

Drei Maxiaturen konnte ich leider nicht fotografieren. Die Maxiatur Nagasaki von Mathieu Mathégot war umstellt von Baucontainern und Bauzäunen wegen Straßenbauarbeiten, der Adirondack Chair von Thomas Lee war abgebaut wegen einer Baustelle am Laguna Bad und den Shaker Side Chair in Weil-Märkt  habe ich einfach nicht gefunden. Auch Bewohner von Märkt konnten mir über den Standort der Maxiatur keine Angaben machen.

Deshalb habe ich den Fotografen Thomas Dix gebeten, mir diese fehlenden Fotografien aus seinem Archiv zu überlassen. Thomas Dix fotografierte die Maxiaturen sehr eindrucksvoll für die Broschüre “Die Stadt der Stühle – Nimm Platz in Weil am Rhein”.

Die von der Tourist-Information Weil in Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum aufgelegte Broschüre zeigt nicht nur Abbildungen der Maxiaturen, sondern auch den jeweiligen Originalstuhl aus der Sammlung des Vitra Design Museums. Ein Portrait und eine Kurzbiografie des Designers, Ausführungen zum Stuhlentwurf, zum Aufstellungsort und zur Größe der Maxiatur  geben weitere interessante Informationen.

Thomas Lee

Maxiatur „Westport Chair“

Dix Adirondack-Chair
Foto  Thomas Dix

Die Maxiatur des Westport Chairs war zum Zeitpunkt meines Besuchs in Weil wegen Bauarbeiten demontiert. Ich konnte die Maxiatur deshalb für die Veröffentlichung in meinem Blog nicht fotografieren und danke dem Fotografen Thomas Dix ganz herzlich, daß er mir seine Aufnahme von 2005 zur Verfügung gestellt hat.

Maxiatur
Ausstellungsort: Laguna Freizeit- und Erlebnisbad, Sportplatz 1, Weil
Maßstab: 2:1
Gesamthöhe: 2,10 m
Aufgestellt am: 18. November 1999

Miniatur (Bild unten)
Maßstab: 1:6
Gesamthöhe: 0,173 m

Adirondack-Chair-Mini
Foto © Dirk Dowald

Charles Rennie Mackintosh

Miniatur „Argyle Chair“ 

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Den Argyle Chair entwarf der britische Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh im Jahr 1897 für die Einrichtung der Argyle Street Tearooms im schottischen Glasgow. Der Stuhl wurde aus Eichenholz hergestellt und mit einer Rosshaarpolsterung oder einem Binsensitz versehen.
Das ovale, in die seitlichen Enden der Rückenlehne eingelassene Kopfstück, ist mit dem Motiv eines fliegenden Vogels verziert.
Die Miniatur aus meiner Sammlung wurde in den Jahren von 2000 bis 2010 vom Vitra Design Museum produziert und angeboten.

Maße der Miniatur: 81 x 78 mm, 231 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Gestell der Miniatur ist aus Nußbaum hergestellt, leicht gebeizt und seidenmatt lackiert. Markant sind die doppelten Querstreben, die vorne und seitlich die Stuhlbeine miteinander verbinden und stabilisieren.
Der Sitz ist aus feinem Garn geflochten und in diesem kleinen Maßstab handwerklich perfekte verarbeitet.
Zu dieser Miniatur gehört ein Holzkistchen des Vitra Design Museums und eine Informationsbroschüre.

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Josef Hoffmann

Miniatur „Fledermaus-Hocker“

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Der Wiener Architekt Josef Hoffmann entwarf 1907 die Einrichtung für das Cabaret Fledermaus in Wien. Der sogenannte Fledermaus-Hocker gehört ebenso wie der Fledermaus-Stuhl zu einem Ensemble verschiedener Möbelstücke. Besonderes Merkmal dieser Möbelserie sind  die knapp am Boden befindlichen Rahmen zur Aufnahme der Beine und die kugelförmigen Eckverstärkungen.

Die Miniatur des Hockers wurde von der Galerie Ambiente in Wien produziert und in deren Online-Shop angeboten.

Maße der Miniatur: 60 mm Ø, 75 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniatur ist komplett aus Buchenholz hergestellt, dunkelbraun gebeizt und glänzend lackiert. Der Sitzrahmen mit eingeleimtem Sperrholzsitz und der Fußring sind aus unterschiedlich starkem Schichtholz herausgeschnitten. Die kugelförmigen Eckstützen und die „Hockerbeine“ sind aus massivem Buchenholz hergestellt und an den Verbindungsstellen und den Fußgleitern verdübelt.

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Max Bill und Hans Gugelot

Miniatur „Ulmer Hocker“

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Der Schweizer Maler, Bildhauer und Architekt Max Bill, erster Rektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung und der Architekt Hans Gugelot entwarfen 1954 den „Ulmer Hocker“ für die Einrichtung der neu gegründeten Hochschule. Der Hocker konnte preiswert in der eigenen Tischlerwerkstatt hergestellt werden und zeichnete sich besonders durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten aus.
Die Miniatur des Ulmer Hockers wurde von 2003 bis 2012 vom Vitra Design Museum hergestellt.

Maße der Miniatur: 65 x 49 mm, 73 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Seiten und die Sitzfläche der Miniatur sind aus Fichtenholz hergestellt und durch Fingerzinken stabil miteinander verbunden. Die Rundholztraverse und die unter den Seiten eingefrästen Kufen bestehen aus Buchenholz.
Die schlichte und einfache Konstruktion des Hockers lässt eigentlich keine besonderen Ansprüche an die Herstellung der Miniatur vermuten.
Allerdings machen die perfekt hergestellten und miniaturisierten Fingerzinken, die Miniatur zu einem kleinen Kunstwerk.

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Auf den Kufen stehend, erfüllt der Hocker die ursprünglich geplanten Verwendung, auf ihm zu sitzen.

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Auf die Seite gelegt und auf einen Tisch oder ein anderes tischhohes Möbel gestellt, wird der Hocker zum Stehpult und ermöglicht einem das Lesen und Schreiben im Stehen.

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Auf den Kopf gestellt, die Rundholztraverse als Tragegriff genutzt, benutzt man den Hocker als Transportbehälter.

Auch als Fußhocker, Beistelltisch oder Regalelement ist der Ulmer Hocker einsetzbar.

 

Aktuelles

Für meine Beiträge Seiten/Holzkistchen und Kartons und Verzeichnis der Miniaturen habe ich neue Fotos angefertigt und den Inhalt etwas überarbeitet .
Auch die anderen Beiträge in dieser Kategorie werde ich in den nächsten Wochen aktualisieren.
Ich würde mich freuen, wenn Ihnen meine kleine „Runderneuerung“ gefällt.
Dirk Dowald

Miniaturen im Grassi Museum Leipzig

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Seit dem 17. April diesen Jahres findet im

GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig

die Ausstellung

Sitzen – Liegen – Schaukeln.  Möbel von Thonet

statt. Die Ausstellung, in der etwa 130 Thonet-Stuhlentwürfe aus der Zeit nach 1945  gezeigt werden, kann noch bis zum 14. September 2014 besucht werden.

In einer kleinen Nebenausstellung werden Stuhlminiaturen aus meiner Sammlung gezeigt, die ich leihweise dem GRASSI Museum zur Verfügung gestellt habe. Es handelt sich ausschließlich um Miniaturen, deren große Originale in Vorzeiten von Thonet produziert wurden und teilweise auch heute noch angeboten werden. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der nicht nur für Thonet-Liebhaber eine interessante Lektüre ist.

Die Fotografien für meinen Beitrag fertigte Wolfgang Thillmann an, dem ich herzlich dafür danke, diese hier veröffentlichen zu können. Kurze Informationen zum Stuhlentwurf und zur Miniatur finden Sie unter den folgenden Ausschnittfotos.

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Modellbezeichnung: Chaise longue à réglage continu, B 306
Entwurf: Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand
Entwurfsjahr: 1928
Produktionszeitraum bei Thonet: 1930 bis 1935
Hersteller der Miniatur: Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: Siège Tournant, B 302
Entwurf: Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand
Entwurfsjahr: 1928
Produktionszeitraum bei Thonet: 1930 bis *
Hersteller der Miniatur: Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: S 35
Entwurf: Marcel Breuer
Entwurfsjahr: 1928-1929
Produktionszeitraum bei Thonet: 1930 bis 1937 / 1971 bis heute
Hersteller der Miniatur: Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

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Modellbezeichnung: B3 „Wassily-Chair“
Entwurf: Marcel Breuer
Entwurfsjahr: 1925
Produktionszeitraum bei Thonet: 1929 bis 1932
Hersteller der Miniatur:  Modell & Form AB, Göteborg/Schweden
Maßstab der Miniatur: 1:5

Modellbezeichnung: Wannensessel S 664
Entwurf: Eddi Harlis
Entwurfsjahr: 1954
Produktionszeitraum bei Thonet: 1955 bis 1959 / 1994 bis 2010
Hersteller der Miniatur:  Thonet GmbH, Frankenberg
Maßstab der Miniatur: 1:5

Modellbezeichnung: Stapelstuhl 2000, Flex
Entwurf: Gerd Lange
Entwurfsjahr: 1974
Produktionszeitraum bei Thonet: 1976 bis 1997
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: Siesta Medizinal
Entwurf: Hans und Wassili Luckhardt
Entwurfsjahr: 1936
Produktionszeitraum bei Thonet: 1937 bis *
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

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Modellbezeichnung: Armlehnenstuhl S 32 „Cesca“
Entwurf: Marcel Breuer
Entwurfsjahr: 1929/30
Produktionszeitraum bei Thonet: 1930 bis heute
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: S 36
Entwurf: Hans und Wassili Luckhardt
Entwurfsjahr: 1931
Produktionszeitraum bei Thonet: 1984 bis *
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: S 43
Entwurf: Mart Stam
Entwurfsjahr: 1931
Produktionszeitraum bei Thonet: 1984 bis heute
Hersteller der Miniatur:  Thonet GmbH, Frankenberg
Maßstab der Miniatur: 1:5

Modellbezeichnung: Armlehnenstuhl S 533 RF
Entwurf: Ludwig Mies van der Rohe
Entwurfsjahr: 1927
Produktionszeitraum bei Thonet: 1932 bis 1936 / 1977 bis heute
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

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Modellbezeichnung: Schreibtischfauteuil No. 81
Entwurf: Gebrüder Thonet
Entwurfsjahr: 1905
Produktionszeitraum bei Thonet: 1905 bis * / 1983 bis *
Hersteller der Miniatur:  Thonet GmbH, Frankenberg
Maßstab der Miniatur: 1:5

Modellbezeichnung: Bopparder Stuhl
Entwurf: Michael Thonet (Wien)
Entwurfsjahr: 1832 bis 1846
Produktionszeitraum bei Thonet: *
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: Stuhl No. 511
Entwurf: Gebrüder Thonet
Entwurfsjahr: 1904
Produktionszeitraum bei Thonet:  *
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: Demonstrationsstuhl
Entwurf: August Thonet
Entwurfsjahr: 1867
Produktionszeitraum bei Thonet: 1867
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum (Einzelanfertigung)
Maßstab der Miniatur: 1:6

Modellbezeichnung: Stuhl Nr. 14
Entwurf: Michael Thonet
Entwurfsjahr: 1859
Produktionszeitraum bei Thonet: 1859 bis heute
Hersteller der Miniatur:  Vitra Design Museum
Maßstab der Miniatur: 1:6

* Der Produktionszeitraum ist mir nicht bekannt. Sollten Leser meines Blogs über ergänzende Daten verfügen, würde ich mich über Informationen sehr freuen.
 

Karl Friedrich Schinkel

Miniaturen Gartenstuhl und Gartenbank

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Der Gartenstuhl aus Eisen wurde um 1820 von dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel entworfen. Die charakteristischen Elemente sind zwei identische, in einem Stück gegossene Seitenteile, schmiedeeiserne Stäbe zur Querverbindung und die dekorative und ergonomisch verformte Rückenlehnenfüllung. Die unterschiedlich langen Querverbindungen, eingelassen in die Bohrungen der Seitenteile, bilden den Stuhl oder die Bank.

Der Entwurf Schinkels ist ein frühes Beispiel für eine industrielle Fertigung und die Möglichkeit der Serienproduktion.

Die Miniatur des Gartenstuhls wird seit dem Jahr 2000 vom Vitra Design Museum hergestellt und vertrieben. Die Miniatur der Gartenbank ist eine Einzelanfertigung.

Maße der Miniaturen:
Stuhl: 81 x 89 mm, 140 mm hoch,
Bank: 182 x 89 mm, 133 mm hoch.

Maßstab der Miniaturen: 1:6

Die Seitenteile und Rückenfüllung aus einem Metallguss sowie die Querverbindungen aus Eisendraht sind anthrazitfarbig beschichtet. Durch eine spezielle Zusammensetzung des Lackes wurde der typische Charakter von Gusseisen erreicht.
Wie beim großen Original zeigen die Dekore der Seitenteile und der Rückenfüllung klassizistische Motive.
Zur Miniatur des Stuhles gehört ein Holzkistchen und eine kleine Informationsbroschüre.

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Don Chadwick

Miniatur „Spark Chair“

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Der amerikanische Designer Don Chadwick entwarf 2009 den Spark Chair für Knoll International. Der leichte Stapelstuhl aus glasfaserverstärktem Polypropylen ist sowohl für den Innen- als auch für den Außenbreich geeignet.
Die Miniatur des Stuhles wurde als Werbemodell von Knoll International hergestellt.

Maße der Miniatur: 84 x 91 mm, 132 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1.6

Die Miniatur ist durchgängig aus grünem Kunststoff hergestellt und wie das große Vorbild stapelbar. Unter den seitlichen Sitzverstärkungen befinden sich links und rechts je zwei „Stapelböcke“ und unter der Sitzfläche ist die Stuhlbezeichnung und das Knoll-Logo eingeprägt.
Zur Miniatur gehört eine Faltschachtel aus weißem und bedrucktem Karton.

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