Sammlerfreunde

31. Mai 2020

Ein (weiterer) Blick in die Miniaturen-Werkstatt von Sammlerfreund Klaus Herda

Designer sind einfallsreiche Menschen, die uns mit ihren außergewöhnlichen Ideen oft in Erstaunen versetzen. Abgesehen von ungewöhnlichen, gewagten oder überraschenden, auf jeden Fall aber bewundernswerten Einfällen gibt es immer wieder auch sehr humorvolle, lustige Entwürfe, deren „Erfindung“ dem Designer selbst sicher sehr viel Spaß gemacht hat, die aber auch dem Betrachter ein Lächeln oder Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Einige dieser witzigen Stühle hat Klaus Herda in seiner Werkstatt im Maßstab 1:6 nachgebaut:

 

Links: Ein Exemplar der Stühle „Him and Her“ von Fabio Novembre aus Keramiplast auf der Basis eines Panton chairs.

Rechts: Renaissance Stuhl von Christophe de la Fontaine aus Holz, Stoff und einem Deko-Eimerchen.

 

Links: Der „Osterei-Sessel“ (nach einem unbekannten Designer) aus Keramiplast mit gelbem Stoffkissen.

Rechts: „Valentine Gesture Chair“ („Auf dem Schoß sitzen“) von Yingjie Chen aus Holz und gebogenem weißen Acrylglas.

 

Links: „Höhenverstellbarer Balgenkamera-Stuhl mit Teak-Abstellbrett“ (Eigenentwurf von Klaus Herda) unter Verwendung einer alten Laufbodenkamera, Holz und Acrylglas.

Rechts: Der „Explicit Chair“ von Ronen Kadushin aus Holz und einer Barbie-Strumpfhose.

Einen witzigen Höhepunkt stellt sicher der „Banquette-“ oder „Stuffed Animal-“ Chair der brasilianischen Designer-Brüder Campana dar, dessen Metallgestell mit vielen NICI®-Schlüsselanhängern bestückt wurde; er ist zwar keine identische Kopie des großen Originals, wirkt aber als Miniatur mit seinen netten Plüschtierchen genauso lustig und putzig!

Text und Fotos: Klaus Herda

Charlotte Perriand

17. Mai 2020

Miniatur „Ombre“

Charlotte Perriand entwarf Ombre, den kleinen stapelbaren Stuhl aus Holz, im Jahr 1954. Im gleichen Jahr wurden mehrere Exemplare für die im April 1955 geplante Ausstellung „Synthèse des Arts“ im Kaufhaus Takashimaya/Tokyo hergestellt. Perriand griff beim Entwurf des Stuhls auf eine Technik zurück, in der aus einer einzigen schichtverleimten Platte Vorderbeine, Hinterbeine und Rückenlehne ausgeschnitten und anschließend in die gewünschte Form gebogen werden. Die Rückenlehne trennte sie in zwei Teile, bog sie, um eine körperangepaßte Form zu erreichen, in der Mitte leicht nach hinten und vermied so eine aufwendige dreidimensionale Verformung der Platte.

Der Entwurf des Stuhls zeigt sehr deutlich den starken japanischen Einfluß auf Charlotte Perriand, der auf einen mehrjährigen Arbeitsaufenthalt in Japan, Anfang der 1940er Jahre, zurückzuführen ist.

Die Miniatur des Stuhls wurde vom Vitra Design Museum in einer Auflage von 10 Exemplaren hergestellt. Je eine Miniatur fand den Weg in die vier produzierten Sätze der Wanderausstellung „Designmaßstäbe – 100 klassische Sitzmöbel“, die ab Juni 1997 weltweit parallel gezeigt wurden. Eine der sechs verbliebenen Miniaturen konnte ich für meine Sammlung erwerben.

Maße der Miniatur: 69 x 86 mm, 109 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Genau wie das große Original ist die Miniatur durchgängig aus verformtem Schichtholz hergestellt, schwarz gebeizt und seidenmatt lackiert.

 

 

Aus meinem Bücherschrank

17. Mai 2020

Charlotte Perriand
Ihr Leben als moderne und unabhängige Frau

1927 betritt die 24-jährige Charlotte Perriand (1903-1999) mit einer Mappe von Zeichnungen das Atelier des Architekten Le Corbusier in Paris, um sich als Architektin vorzustellen. »Wir sticken hier keine Kissen« versucht sie der Meister persönlich abzuwimmeln. Nach dem Herbstsalon im Grand Palais in Paris revidiert er sein Urteil und stellt die junge Frau ein, die unter anderem die legendäre Chaiselongue (B306) entwerfen wird. Charlotte Perriand wird 10 Jahre im Büro von Le Corbusier bleiben, um dann politisch und künstlerisch ihren eigenen Weg zu suchen und erfolgreich zu gehen. »Wir arbeiteten immer mit Idealen« wird sie später auf die Frage nach ihrem Konzept antworten, und das ist gleichzeitig auch ihr Lebenscredo. Perriand hatte sich zum Ziel gesetzt, kreative und zugleich funktionale Wohnräume zu schaffen, im festen Glauben daran, dass schönes Design eine bessere Gesellschaft zu schaffen vermag. »Ich sagte mir nie, dass ich eine Frau unter Männern war. Ich lebte in einer Symbiose mit ihnen, und zufällig waren sie Männer.« Charlotte Perriand

Text: Klappentext des Verlages

Marcel Breuer

03. Mai 2020

Miniatur „Isokon Long Chair“

In meinem Beitrag vom 13. Januar 2019 berichte ich über die Miniatur des Long Chairs von Marcel Breuer, die Halil Hinz für seine eigene Sammlung anfertigte.

Inzwischen hat Halil Hinz acht weitere Miniaturen hergestellt und die Nr. 4/8 konnte ich bereits im Januar erwerben. Die handwerkliche Ausführung ist wieder ganz fantastisch und die Miniatur ist für meine Sammlung natürlich ein ganz besonders wertvoller Neuerwerb.

Nicht nur die Miniatur ist ein kleines Kunstwerk, auch die von Halil Hinz neu konzipierten Holzkistchen können sich sehen lassen. Die Kistchen gibt es jetzt in unterschiedlichen Größen, modular aufeinander abgestimmt und deshalb leicht stapelbar und platzsparend unterzubringen. In die „Schiebetüre“ des Kistchen sind die zentralen Angaben zur Miniatur, die Auflagenhöhe und die jeweilige Entwurfszeichnung eingelasert.

Jens Nielsen

19. April 2020

Miniatur „Laminex-Stuhl“

Der Laminex-Stuhl ist ein Entwurf des dänischen Designers Jens Nielsen aus dem Jahr 1964. Mit diesem Entwurf gewann Nielsen den ersten Preis eines von einem dänische Furnierhersteller ausgeschriebenen Wettbewerbs. Nachdem in den Jahren 1965/66 einige Prototypen des Stuhls hergestellt wurden, ging die Produktion im Jahr 1977 an den dänischen Hersteller Falster Form und später mit geänderter Beinanordnung an verschiedene andere Möbelproduzenten.

Der Laminex-Stuhl, ein aus nur zwei Elementen bestehender Klappstuhl wurde aus Buchenholz schichtverleimt und verformt.

Das S-förmig gestaltete Element der Vorderbeine und der Rückenlehne nimmt das Sitzelement durch Ineinanderfügen auf und stabilisiert den Stuhl bei Belastung.

Ein frühes Foto, vermutlich eines der Prototypen, zeigt den Stuhl mit einem aufgelegten Flachpolster.

Die Miniatur des Laminex-Stuhls habe ich selber für meine Miniaturensammlung angefertigt.

Maße der Miniatur: 90 x 124 mm, 116 mm hoch.

Maßstab der Minatur: 1:6

Die zwei Elemente der Miniatur habe ich aus je fünf Lagen 0,6 mm starkem Buchenfurnier kreuzweise miteinander verleimt und verformt. Nach dem Zuschnitt habe ich auf beiden Seiten je einen Streifen in der Breite der Beine abgetrennt, das Rückenelemet und die Streifen links und rechts der Sitzfläche entsprechend gekürzt und wieder miteinander fest verleimt. Nach erfolgtem Oberflächenschliff -die Abbildungen zeigen die Miniatur noch ohne Lackierung- wird die Miniatur abschließend allseitig mit Klarlack beschichtet.

 

Walter Gropius – Herbert Bayer

05. April 2020

Miniatur „Gropius Direktorenzimmerstuhl“

Durch einen Kontakt der Bauhaus Universität in Weimer lernte ich den Architekten Gerhard Oschmann kennen, der in den Jahren 1998/99 das ehemalige Direktorenzimmer von Walter Gropius in den originalen Räumen des Staatlichen Bauhaus in Weimar rekonstruierte.

Gropius entwarf das Zimmer 1923 als Gesamtkunstwerk für die erste große Bauhausausstellung „Staatliches Bauhaus in Weimar 1919-1923“ und lies durch den am Bauhaus studierenden Herbert Bayer eine axonometrische Zeichnung anfertigen, in der auch der geometrisch gestaltete Schreibtischstuhl dargestellt ist. Ob der Entwurf dieses Stuhls von Walter Gropius stammt, oder während des Zeichnens zufällig von Herbert Bayer geschaffen wurde, ist in der Literatur nicht zu ermitteln. Auf jeden Fall sah der Entwerfer den 1922 von Marcel Breuer entworfenen und in der Tischlerwerkstatt des Bauhauses hergestellten Lattenstuhl  als Vorbild, da es im Rückenbereich sehr große Übereinstimmungen gibt.

Fest steht aber, daß es den Stuhl in dieser Form im Direktorenzimmer nie gegeben hat. Historische Fotografien zeigen im Weimarer Direktorenzimmer einen Schreibtischstuhl von Erich Dieckmann und nach dem Umzug ins Bauhaus Dessau, einen Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer.

Da für Gerhard Oschmann die Axonometrie von Herbert Bayer bindende Grundlage für die Rekonstruktion des Gropius-Zimmers war, entstand 1998 nach aufwendigen Untersuchungen des Entwurfs, der Stuhl zum ersten Mal in Einzelanfertigung.


Das rekonstruierte Gropius-Zimmer im Bauhaus Weimar
Foto: Benedikt Georg

Inspiriert durch ein Foto meines Sammlerfreundes Benedikt Georgi nahm ich mir vor, den Stuhl aus dem Gropius-Zimmer als Miniatur anzufertigen. Sehr hilfreich waren die vielen Informationen, die mir Gerhard Oschmann gab. Denn außer einigen Fotos von Benedikt Georgi hatte ich keine Informationen zur Holzart, dem Aufbau des Sitzes und vor allem fehlten mir alle Maße.

Maßstäblich und materialgetreu entstand die Miniatur für meine Sammlung.

Maße der Miniatur: 86 x 86 mm, 116,5 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Gestell der Miniatur besteht aus massivem, mit Klarlack beschichtetem Kirschbaumholz mit einem Querschnitt von 5,8 mm und ist komplett verdübelt. Der Holzsitz, vorne und hinten mit Quertraversen fest mit den Seitengestellen verbunden, ist mit zwei Lagen zitronengelbem Stoff bezogen. Auch die Gesamtstärke des Sitzes beträgt einschließlich der zwei Lagen Bezugstoff 5,8 mm. Wie beim großen Originalstuhl konnte ich einen gelben Bezugstoff in Köperbindung verarbeiten, der sich durch den schräg verlaufenden Grat auszeichnet.

Aus meinem Bücherschrank

05. April 2020

Gropius-Zimmer

„In 2., korrigierter Auflage ist das Buch über die Sanierung des Gropiuszimmers nun endlich wieder erhältlich.

Man erfährt etwas von der kriminalistischen Spurensuche, auf die sich die Beteiligten begaben, um eine Vorstellung von der wirklichen Ausgestaltung, Möblierung etc. des Direktorenarbeitsraumes zu gewinnen. Es wurden Bauakten ausgewertet, Fotos analysiert, Zeitdokumente gesichtet. Man erfährt auch etwas von den Schwierigkeiten, in der Gegenwart Möbel und andere Dinge der 1920er-Jahre, die sich im Zimmer befanden, nachzubauen bzw. nachzugestalten. Am Ende ist ein Zimmer entstanden, das bemerkenswert ist, auch wenn es so zu Gropius? Zeiten nicht aussah. Aber da sind wir sicher:? der Meister hätte heute seine Freude daran, denn es ist die Verwirklichung seiner Idee.“

Text: Klappentext des Verlages

Aus meinem Bücherschrank

05. April 2020

Staatliches Bauhaus in Weimar 1919 – 1923

„Herausgegeben von Lars Müller in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung

Faksimile des ersten Katalogs des Bauhauses von 1923 mit einem Textbeitrag von Astrid Bähr, der diese längst vergriffene Publikation in einen zeithistorischen Kontext setzt und das Bauhaus von seiner Idee bis zu seiner Situierung als renommierte Kunstschule dokumentiert.

Im Jahr 1919 eröffnet Walter Gropius mit einem radikalen Lehransatz das Bauhaus in Weimar. Vier Jahre vergehen bis zur ersten Ausstellung, die dem begeisterten Publikum einen neuen Kunstansatz vermittelt und die Ideen der Schule in die ganze Welt trägt.

Begleitend zu diesem ersten öffentlichen Auftritt erscheint 1923 der Katalog Staatliches Bauhaus Weimar 1919–1923. Mithilfe dieser fachübergreifenden Publikation haben die Idee und das Potenzial des Bauhauses erstmals ihren Weg auf Papier gefunden. Neben zahlreichen Projektvorstellungen werden durch die theoretischen Ansätze von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Gertrud Grunow die Lehrmethoden der verschiedenen Meister vermittelt. Gropius’ Vorwort stellt den Aufbau der Schule vor und präsentiert den einzigartigen Reformansatz, der die Einheit von Technik und Kunst fordert und lehrt. Die Abbildungen aus dem Vorkurs und den unterschiedlichen Werkstätten verleihen Einblicke in die Ausbildung und die Produktion des Bauhauses.

Mit dem ursprünglichen Layout von László Moholy-Nagy und dem von Herbert Bayer gestalteten Einband ist das Buch ein wichtiges Zeugnis jener legendären Avantgarde-Bewegung und veranschaulicht deren Wirken und Streben seit den Anfängen des Bauhauses.“

Text: Bauhaus Archiv Berlin

Josef Hoffmann und Koloman Moser

22. März 2020

Miniatur „Purkersdorfer Fauteuil“

Die Purkersdorfer Fauteuils wurden von Josef Hoffmann in der Eingangshalle des von ihm erbauten Sanatorium Westend in Purkersdorf als Sitzgelegenheiten eingesetzt.

In der Literatur wird der Entwurf des Purkersdorfer Fauteuils mal Josef Hoffmann, mal Koloman Moser zugeschrieben. In den Wiener Werkstätten entstanden neben diesem Sessel für das Sanatorium sehr viele Gemeinschaftsarbeiten von Hoffmann und Moser, die mangels gesicherter Daten weder dem einen noch dem anderen zugeschrieben werden können. Dieses trifft wohl auch für den Purkersdorfer Sessel zu.

Die linear angeordneten weißen Leisten bilden die Seitenteile und den Rücken des Sessels, die durch die Konstruktion des Sitzes fest miteinander verbunden sind. Der Sitz war in der Zeit des Entwurfs mit schwarz und weiß eingefärbtem Rohrgeflecht bespannt und bildetet eine schachbrettartige Fläche.

Die Miniaturen, die in den Jahren von 1989 bis 1993 von Galerie Ambiente in Wien produziert wurden konnte ich jetzt aus einer von Galerie Ambiente angebotenen Sammlungsauflösung kaufen.

Maße der Miniatur: 101 x 107 mm, 110 mm hoch

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die vertikalen und horizontalen Leisten der drei Seiten sind aus 2 x 7 mm starkem Sperrholz zu Rahmen verleimt und in Höhe des Sitzes mit senkrecht ausgefrästen Traversen verbunden. Zwischen den Traversen ist der mit schwarzen und weißen Lederstreifen bespannte Sitzrahmen eingesetzt. Alle Holzteile sind weiß lackiert, die vier Bodengleiter haben einen Durchmesser von 5 mm und sind schwarz lackiert.

 

 

 

Aus meinem Bücherschrank

22. März 2020

Wiener Werkstätte

Buch_Wiener-Werkstaette01

„Die Wiener Werkstätte, gegründet 1903 von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer, ist eine kreative Bewegung der Moderne. Der progressive Zusammenschluss von Künstlern und Designern wollte der industrialisierten Gesellschaft individuelle Handwerkskunst entgegensetzen und verschiedene Aspekte des Lebens zu einem harmonisch-eleganten Kunstwerk verbinden.

Zunächst bestand die Werkstätte nur aus drei kleinen Räumen, weitete sich jedoch schon bald auf ein dreistöckiges Gebäude mit Spezialbereichen für Metall-, Leder- und Holzverarbeitung, einer Buchbinderei und einem Farbenhandel aus. Die Künstler experimentierten mit verschiedensten Materialien, darunter Gold, Edelsteinen und Pappmaché, und wandten ihre schlichten, häufig geometrischen Muster und ihre Designprinzipien auf Keramik, Textilien, Typografie, Innenarchitektur, Möbel und Mode an. Bei Gesamtaufträgen wie dem Sanatorium Purkersdorf und dem Palais Stoclet in Brüssel konnte die Gruppe ihr Ideal vom „Gesamtkunstwerk“ realisieren, bei dem jedes Detail ein integraler Teil des koordinierten Ganzen ist.

Obwohl die Werkstätte nur 30 Jahre lang bestand, hatte sie großen kommerziellen Erfolg und konnte Dependancen in Karlsbad, Marienbad, Zürich, New York und Berlin eröffnen. Viele führende Künstler der Zeit, darunter Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele, steuerten Entwürfe bei. Heutzutage würdigt man die Wiener Werkstätte für ihren ganzheitlichen Ansatz und ihren stilistischen Einfluss auf Art déco und Bauhaus.“

Text: Klappentext des Verlages