Stefan Wewerka

23. Februar 2020

Miniatur „Eckstuhl“


Dieses Foto hat Benedikt Georgi anläßlich eines gemeinsamen Besuchs der Möbelmanufaktur TECTA Bruchhäuser & Drescher in Lauenförde aufgenommen.

Der Eckstuhl, ein Werk von Stefan Wewerka, steht im langgezogenen hellen Flur bei Tecta. An den Wänden des Flurs, der die Produktionsräume und die Büros miteinander verbindet, hängen zahlreiche Entwurfszeichnungen, Bilder, Schriftstücke und Modelle von Entwerfern wie Mies van der Rohe, Walter Gropius, Sergius Ruegenberg, Jean Prouvé, Stefan Wewerka und vielen anderen Künstlern der Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Den Eckstuhl, so berichtet mir Axel Bruchhäuser, hat Stefan Wewerka in den 1980er Jahren bei Tecta aus einem uralten, 81 cm hohen Standard Stuhl unbekannter Herkunft geschnitten. Die ausgeschnittene, auf der Unterseite beschriftete Sitzfläche mit einem Fuß, existiert noch im Wewerka Archiv bei Tecta.

Ich habe die Minatur des Eckstuhls aus Restbeständen meiner Anfang 2018 gebauten Miniatur des Frankfurter Stuhls angefertigt. Der ausgeschnittene Sitz und das rechte Stuhlbein, fielen, bevor ich die Informationen von Axel Bruchhäuser bekam, leider meiner manchmal etwas übertriebenen Ordnungsliebe zum Opfer.

Maße der Miniatur: 66 x 71 mm, 135 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Ausführung dieser Miniatur ist baugleich mit der des von mir gebauten Frankfurter Stuhls, jedoch zusätzlich, wie es auch Stefan Wewerka gemacht hat, rot lackiert. Um dem Eckstuhl mit nur drei Stuhlbeinen einen festen Stand zu geben, habe ich ein kleines Diorama angefertigt und wie im Flur bei Tecta aufgestellt.

Aus meinem Bücherschrank

23. Februar 2020

Nahaufnahmen Stefan Wewerka

„Stefan Wewerka, geb.1928, studierte 1946 Architektur in Berlin. Ab 1961 erste Stuhl-skulpturen, Bleistiftzeich-nungen, Aquarelle, Ölbilder und Radierungen. 1963 bis 1967 Leitung des Entwurfs-büros bei Hans Scharoun. Mitte der 60er Jahre lehrte er an der Washington University (St. Louis) und später an der Kölner Werkschule. Ab 1978 Zusammenarbeit mit der Möbelfirma TECTA. Für die documenta 8 in Kassel entwarf er einen Pavillon, der heute als Ausstellungs-pavillon der Kunstakademie Münster genutzt wird. Er lebt in Köln und Berlin. www.stefanwewerka.de Ein großer Künstler verändert unsere Sicht auf die Welt, auf die Dinge. Ein großer Künstler entwickelt seine eigene Welt und gestaltet nach seinen Prinzipien. Stefan Wewerka ist einer dieser Künstler.‘ Wulf Herzogenrath“

Klappentext des Verlages

Das 2010 im Alexander Verlag Berlin erschienene Buch ist heute noch über den Verlag und im Buchhandel erhältlich. Hier geht es zu einer kleinen Leseprobe.

Josef Hoffmann

09. Februar 2020

Miniatur „Purkersdorfer Stuhl“

Das Sanatorium Westend in Purkersdorf bei Wien wurde in den Jahren 1904 und 1905 vom Architekten Josef Hoffmann gebaut und gilt als hervorragendes Beispiel für die Architektur im Stile der Wiener Secession. Für den großen Speisesaal und den anschließenden Verandaraum des Sanatoriums entwarf Josef Hoffmann zeitgleich den Purkersdorfer Stuhl, der vom Bugholzmöbelhersteller J. & J. Kohn hergestellt wurde. Unter der Artikelbezeichnung „Sessel Modell Nr. 322“ wurde der Stuhl später von Kohn auch für den freien Markt angeboten.

Die Hinterbeine des Stuhls und die U-förmig gebogene Rückenlehne besteht aus einem einzigen Bugholzelement. Die in die Rückenlehne eingesetzte Verstrebung aus gelochtem Sperrholz ist ebenfalls in einen Bugholzrahmen gefasst und an der Rückenlehne und dem Sitzrahmen befestigt. Die Verbindung der Stuhlbeine mit dem gepolsterten und lederbezogenen Sitz wurde in allen Winkeln durch eingeschraubte Holzkugeln zusätzlich stabilisiert.

In den Jahren von 1989 bis 1993 wurden von Galerie Ambiente in Wien verschiedene Miniaturen handwerklich und in Kleinserien gefertigt. Aus einer Sammlungsauflösung, die über Galerie Ambiente angeboten wurde, konnte ich die in meiner Sammlung noch fehlende Miniatur des Purkersdorfer Stuhls erwerben.

Maße der Miniatur: 75 x 84 mm, 167 mm hoch

Maße der Miniatur: 1:6

Die Miniatur ist aus Buchenholz angefertigt, dunkelbraun gebeizt und seidenglänzend lackiert. Die Vorderbeine sind aus geraden Rundhölzern hergestellt, wogegen die Hinterbeine quadratisch ausgeführt sind und erst oberhalb der Sitzfläche allmählich rund auslaufen. Das flache Lederpolster ist über die vordere Sitzkante gezogen und umlaufend mit einem schmalen Lederband und Polsternägeln befestigt.

Aus meinem Bücherschrank

09. Februar 2020

Atlas des Möbeldesigns

„Mit dem »Atlas des Möbeldesigns« veröffentlicht das Vitra Design Museum das neue Grundlagenwerk zur Geschichte des modernen Möbeldesigns. Der inhaltliche Bogen der Publikation reicht von den Anfängen der Industrialisierung bis zum digitalen Zeitalter, das heute auch im Möbeldesign eine zunehmend größere Rolle spielt.

Mit Inhalten aus über 20 Jahren Forschung und mehr als 1.000 Seiten ist der »Atlas« das umfassendste Buch, das je zu diesem Thema publiziert wurde. Er dokumentiert 1.740 Objekte von über 540 Designern und enthält mehr als 2.800 Abbildungen. Über 550 Texte liefern detailgenaue Objektanalysen, Essays zu vier großen historischen Epochen beschreiben den soziokulturellen und designhistorischen Kontext der gezeigten Objekte. Hinzu kommt ein umfangreicher Anhang mit Designerbiografien, Informationsgrafiken, Bibliografien sowie Hersteller- und Materialglossar.

All dies macht das Werk zu einer unverzichtbaren Quelle für Sammler, Wissenschaftler und Experten – und nicht zuletzt zu einem bestechend gestalteten Buch für Designliebhaber auf der ganzen Welt.“

Buchbeschreibung: Vitra Design Museum

Studio 65

26. Januar 2020

Miniatur „Bocca“

Das  Sofa Bocca in der Form eines weiblichen Mundes ist ein Entwurf der italienischen Designer- und Architektengruppe Studio 65 aus  dem Jahr 1970. Inspiriert durch Salvador Dalis Bild „Gesicht von Mae West“ und auch Marilyn Monroes leuchtend rot geschminkte und zu einem Kussmund geformte Lippen, entstand dieses inzwischen zum Kultobjekt avancierte Sofa.

Bocca wird vom italienischen Unternehmen Gufram aus kalt geschäumtem Polyurethan hergestellt und ist mit einem abnehmbaren Bezug versehen. Im Jahr 2000 legte das Vitra Design Museum das Sofa Bocca als Miniatur  auf.

Maße der Miniatur: 356 x 135 mm, 144 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 20253001

Das Formteil der Miniatur ist aus Polyurethanschaum hergestellt und mit einem sehr fein gewebten, bielestischen roten Stoff bezogen. Zur Miniatur gehört das übliche Holzkistchen und eine kleine Informationsbroschüre.

Aus meinem Bücherschrank

26. Januar 2020

Objekte der Begierde
Surrealismus und Design 1924 – heute

„Der Surrealismus zählte zu den einflussreichsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch untersucht den Dialog zwischen Surrealismus und Design und zeigt zum ersten Mal, wie stark der Surrealismus das Design der letzten 100 Jahre beeinflusst hat. Er hat Designer ermutigt, nach der Realität hinter dem Sichtbaren zu fragen und Dinge zu gestalten, die Widerstand leisten, mit Gewohnheiten brechen und aus dem Alltag ausscheren. Die Bandbreite der Beispiele reicht von Duchamps Readymades und Dalís sinnlichen Objektskulpturen über die Arbeiten von Designern wie Carlo Mollino oder Gae Aulenti bis hin zu aktuellen Entwürfen, die neue Technologien oder Geschlechterrollen auf subversive Weise hinterfragen. Dabei wird deutlich, dass der Surrealismus bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat – in der Kunst wie im Design.

Mit Werken u. a. von Gae Aulenti, André Breton, Achille Castiglioni, Le Corbusier, Salvador Dalí, Marcel Duchamp, Dunne & Raby, Ray Eames, Max Ernst, Front Design, Iris van Herpen, Friedrich Kiesler, Shiro Kuramata, René Magritte, Lee Miller, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Odd Matter, Meret Oppenheim, Mimi Parent, Gaetano Pesce, Man Ray, Robert Stadler, Studio Wieki Somers.“

Buchbeschreibung: Vitra Design Museum

Stefan Wewerka

12. Januar 2020

Miniatur „Vertreter-Stuhl“

Stefan Wewerka entwarf den Vertreter-Stuhl im Jahr 1977. Bereits 1970 entstand der zum Verwechseln ähnliche, ebenso mit geschwungenen Beinen und schrägem Sitz versehene kleinere Classroom Stuhl.

Zwei Jahre nach Wewerkas Entwurf, also im Jahr 1979, produzierte Tecta 32 Exemplare des Vertreter-Stuhls im Auftrag des CI Verbandes (Creative Inneneinrichter) und vier weitere Stühle, vermutlich für die eigene Sammlung. Die Schablone, nach der der Stuhl angefertigt wurde, hängt neben Originalzeichnungen und Fotos von Wewerka-Entwürfen an der Wand im langen Flur des Unternehmens Tecta. Gerade noch zu erkennen ist links auf meinem Bild der heute noch von Tecta produzierte Fächertisch M1 von 1979 und darunter drei Long Chairs aus der Stuhlserie „5 Variationen von abnormen Stühlen“


Schablone des Vertreter-Stuhls mit der Beschriftung „Vertreter-Stuhl“ STW für Tecta + CI Aktion 

Der große Originalstuhl wurde aus Spanplatte hergestellt und schwarz lackiert. Für meine Sammlung habe ich eine Miniatur des Stuhls hergestellt und die von mir fotografierte Schablone als Vorlage benutzt.

Maße der Miniatur: 108 x 74 mm, 130 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Plattenmaterial für die Miniatur habe ich aus fünf Lagen 0,6 mm starkem Buchenfurnier zu stabilem Sperrholz verleimt, da Spanplatten in der geringen Stärke von 3 mm im Handel nicht zu erhalten sind. Nach dem Ausschneiden der erforderlichen Einzelteile habe ich die Zargen und die Beinelemente an den entsprechenden Stellen ausgefräst und nach der Lackierung mit Lamellos fest verleimt.

Aus meinem Bücherschrank

12. Januar 2020

Stefan Wewerka
Dekonstruktion der Moderne

Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung des Forum Gestaltung e. V./Wewerka Archiv in Magdeburg vom 29. März bis 21. September 2019 und vom 13. Dezember 2019 bis 19. April 2020 im Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach.

„Stefan Wewerka (1928–2013) war zweifelsohne eine der vielseitigsten Künstlerpersönlich-keiten der deutschen Nachkriegsmoderne. So war er nicht nur Architekt und Objektkünstler, Designer, Modemacher und Innenarchitekt, sondern auch Bildhauer, Maler, Grafiker, Filmemacher und Aktionskünstler. Mit großer Lust am sinnlichen Ausdruck schlug Wewerka durch sein dekonstruktives, aufklärerisches Hinterfragen rechtwinklig-funktionaler Gewissheiten eine Brücke zwischen der Klassischen Moderne des Bauhaus und aktuellen Entwicklungen.

Diese Ausstellung konzentriert sich im Kern auf die in ihrer Komplexität ausgesprochen intensive Schaffensphase Wewerkas in der Zusammenarbeit mit der Möbelmanufaktur Tecta und den zeitlichen Arbeitskontext von 1978 bis in die späten 1980er Jahre. Ziel ist es, das Schaffen Wewerkas in einer bislang nicht gekannten Weise zu beleuchten und es als nach wie vor aktuell für zeitgenössische Diskurse zu verstehen.“

Buchbeschreibung: Alexander Verlag Berlin

Aus meinem Bücherschrank

29. Dezember 2019

Bugholz, vielschichtig
Thonet und das moderne Möbeldesign

In den vergangenen Monaten konnte ich für meine kleine Bibliothek viele neue und interessante Bücher rund um das Thema Sitzen erwerben. Ganz neu in meinem Bücherschrank ist das von Sebastian Hackenschmidt und Wolfgang Thillmann gemeinsam verfasste Buch „Bugholz, vielschichtig · Thonet und das moderne Möbeldesign“. Dieses, für Sammler und Liebhaber von großen und kleinen Stühlen wichtige Werk, begleitet die gleichnamige Ausstellung im MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien.

Nachstehend zitiere ich die Buchbeschreibung des MAK:

„Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums von Thonet lädt das MAK zu einer Zeitreise durch das moderne Möbeldesign. Die von Michael Thonet entwickelten Bugholzmöbel schrieben Stilgeschichte und begründeten eine der erfolgreichsten Möbelmarken der Welt. Ende der 1920er-Jahre stieg Thonet dann auch in das Geschäft mit Stahlrohrmöbeln ein, das bis heute ein wichtiges Standbein der Firmenproduktion bildet. Ausstellung und Buch kontextualisieren das Thonet-Programm mit vielen wichtigen Werken der Möbelgeschichte. So werden die Thonet-Möbel über eine chronologische Gesamtschau hinaus erstmals in die technologische, typologische, ästhetische und historische Entwicklung des Möbeldesigns eingebettet. Ergänzt durch Leihgaben aus internationalen Sammlungen zeigt das Buch über 300 Exponate, die überwiegend neu fotografiert wurden.“

Bilder von der Eröffnung und Pressekonferenz sowie erste Einblicke in die Ausstellung sind auf der Website von Wolfgang Thillmann zu sehen.

Verner Panton

15. Dezember 2019

Miniatur „Heart Shaped Cone Chair“

Vor einigen Wochen konnte ich eine weitere Miniatur des Heart Shaped Cone Chairs kaufen. Schon auf den Bildern des Verkäufers war zu erkennen, daß der Stoffbezug ein anderer war, als bei der in meiner Sammlung befindlichen Miniatur, die mit einem sehr fein gewebtem violetten Stoff bezogen ist.

Der für die Polsterung verwendete Veloursstoff weist darauf hin, daß es sich um die erste Serie aus der Produktion im Jahr 1992 handelt. Ein kleines Foto in der ersten Miniaturenpreisliste lässt noch keine Schlüsse zu, aber das etwas größere Bild in der zweiten Preisliste (s.Bild unten) vom 1. Oktober 1993 zeigt sehr deutlich den Faltenwurf des Bezuges und das sehr flache Sitzpolster. In den Folgelisten ist die Miniatur nur in gezeichneter Form abgebildet, so daß der Wechsel von Veloursstoff  zum bielastischen Flachgewebe nicht eindeutig zu bestimmen ist.

Maße der Miniatur: 158 x 108 mm, 153 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Artikelnummer der Miniatur: 12121, ab 1993 2121

Der Korpus der Miniatur ist aus dünnem Blech geformt, leicht gepolstert und mit violettem Velloursstoff bezogen. Eine Besonderheit ist das abnehmbare Sitzkissen, welches wie beim großen Original auf drei kleinen Winkeln aufliegt. Bei den späteren Ausführungen in violettem und rotem Bezugstoff sind die Sitzkissen fest mit dem Korpus verbunden.


Abbildung aus der Preisliste 10/1993