Archiv für die Kategorie ‘6. Sammlerfreunde’

Frankfurter Küchenstuhl

Sonntag, 25. März 2018

Miniatur „Frankfurter Küchenstuhl“

In den Jahren von 1925 bis 1930 entstand unter Leitung des Architekten Ernst May das Wohnbau- und Stadtplanungsprogramm Neues Frankfurt. Im Rahmen dieses Projekts entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 die Frankfurter Küche, den Urtyp der modernen Einbauküche.

Und dann ist da noch der Frankfurter Stuhl oder Frankfurter Küchenstuhl!!

Stoelcker, Hersteller des sogenannten Frankfurter Stuhls schreibt dazu: “ Im Jahre 1926 wurde von Bauhausarchitekten ein neuer Küchentyp entworfen, die Frankfurter Küche. Der Küchenarbeitsplatz wurde erstmals nach ergonomischen und praktischen Erwägungen gestaltet. Und in diesen Küchen stand auch dieser Stuhl.“

Historische Aufnahmen der Frankfurter Küche zeigen jedoch als Sitzmöbel einen Drehhocker, mit oder ohne Rückenlehne. In einem historischen Film über die Frankfurter Küche ist auf einer Texttafel zu lesen: „Der Drehstuhl, den sich jede Frau beliebig hoch einstellen kann, gewährt die Möglichkeit, die meisten Arbeiten in der Küche sitzend vornehmen zu können.“

Immer mit dem Gedanken, nicht ausreichend Material zum Frankfurter Stuhl und eine Verbindung zum Bauhaus zu haben, bat ich meinen Sammlerfreund Benedikt Georgi um eine Auskunft. Benedikt Georgi besitzt nicht nur eine sehr umfangreiche Miniaturensammlung und das Wissen zu jedem Stuhlentwurf, sondern ist auch ambitionierter Bauhausexperte mit einer sehr umfangreichen Bibliothek, in der es zum Frankfurter Stuhl Informationen hätte geben müssen. Hier nun seine Antwort:

„Auch Ich habe noch weiter bezüglich des Frankfurter Stuhls recherchiert. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass er weder mit der Frankfurter Küche noch mit dem Bauhaus zu tun hat. Es scheint ein anonymer Werksentwurf zu sein, der insbesondere in den fünfziger Jahren verschiedentlich kopiert bzw. leicht verändert produziert wurde und zum Inbegriff eines Stuhls wurde. Da die Frankfurter Küche als Ursprung aller Einbauküchen gilt, haben findige Marketingleute den Stuhl dann irgendwann als Frankfurter Stuhl vermarktet.“

Dessen ungeachtet habe ich mich mit dem Frankfurter Stuhl weiter beschäftigt und ihn als Miniatur für meine Sammlung angefertigt.

Maße der Miniatur: 66 x 71 mm, 135 mm hoch.

Maßstab der Miniatur:1:6

Die Miniatur habe ich aus massivem und teilweise schichtverleimtem Buchenholz angefertigt. Reduziert, so wie der heute noch von Stoelcker hergestellte Stuhl, besteht  auch meine Miniatur aus zwei geraden Vorderbeinen, zwei leicht geschwungenen Hinterbeinen, einem formverleimtem Sitz mit gerundeter Vorderzarge und einer leichten Sitzmulde sowie der gebogenen Rückenlehne.

Die folgenden Abbildungen zeigen einige Schritte meiner Anfertigung.

  

Um die Mulde in die Sperrholzplatte des Sitzes einzuprägen, habe ich aus dünnen Tischlerplatten zwei Schablonen geschnitten. Einen Zuschnitt habe ich in der Größe der Sitzmulde rund ausgeschnitten und das Gegenstück mit drei runden Furnierplättchen in unterschiedlichen Größen aufgefüttert. Um scharfe Kanten durch den Druck beim Verleimen der Sitzplatte zu vermeiden, habe ich Ausschnitt und Plättchen mit Schaumstoff aufgefüttert.

  

  

Den Sitzrahmen habe ich aus mehreren Lagen Buchenfurnier formverleimt und später mit der gefrästen und geschlitzten Vorderzarge und der Sitzplatte verbunden. Die mit einem Zapfen versehenen Vorderbeine und die später ausgeklinkten Hinterbeine geben der Miniatur nach dem Verleimen seine Stabilität.

Die Abbildungen oben und unten zeigen die Miniatur vor dem Verleimen, einfach nur probeweise zusammengesteckt.

  

Gerrit T. Rietveld

Sonntag, 11. März 2018

Miniatur „Stick Chair“


Foto: Halil Hinz

Den Stuhl aus Rundholz und gebogenem Sperrholz entwarf Gerrit Rietveld im Jahr 1924.

„Im Tragsystem dem »Rot-blauen« sehr ähnlich, unterscheidet sich dieser Stuhl durch die Verwendung des Rundholzes mit abgerundeten Enden und durch die nach anatomischen Bedingungen geformte Sitzfläche und Rückenlehne; verglichen mit dem berühmten Modell sind diese weniger geneigt und gestattet deshalb eine aufrechte Haltung. Der Stuhl wurde für das Schröder-Haus entworfen.“
Quelle: Ursprung des modernen Möbels – das Werk Rietvelds

Die Miniatur des Stuhles ist eine Anfertigung von Halil Hinz, der sich seit Jahren sehr intensiv mit den Entwürfen Gerrit Rietvelds auseinandersetzt.

Maße der Miniatur: 108 x 108 mm, 160 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Zur Herstellung der Miniatur(en) verwendete Halil Hinz 5 mm starke Rundhölzer und verleimte für die geschwungenen Sitz- und Rückenflächen drei Lagen 0,6 mm starkes Buchenfurnier in entsprechend vorbereiteten Formen. Die Miniaturen lackierte er rot und schwarz.

Eine Besonderheit ist die Schraubverbindung der Sperrholzplatten zum Gestell. Die kleinen Linsenkopfschrauben stellten noch kein Beschaffungsproblem dar; die gab es beim Lieferanten für Modellbauschrauben. Nicht zu beschaffen waren die miniaturisierten Vierkantmuttern. Deshalb fertigte Halil Hinz die Muttern selber an. Von einem massiven Vierkantstab aus Messing schnitt er Scheiben in der benötigten Stärke von ca. einem Millimeter ab, fixierte sie in einer vorbereitete Form um einen festen Halt für die weitere Bearbeitung zu bekommen. Das Bohren eines Loches, exakt ins Zentrum dieses kleinen Plättchens und das anschließende Schneiden eines Gewindes, in der Stärke passend zur Schraube, gelang Halil Hinz sehr gut und führte zum Erfolg. Und das machte er 16 mal für jede gebaute Miniatur!!

Wie immer, gehört zu jeder Miniatur aus der „Hinz Mini Manufaktur“ ein passendes, sehr wertig hergestelltes Holzkistchen.

Marc Newson

Sonntag, 17. Dezember 2017

Miniatur „Wooden Chair“

Marc Newson entwarf  1988 als Auftragsarbeit für eine Wanderausstellung des Handwerksrates von New South Wales/Australien den Wooden Chair.

24 schleifenförmig gebogene Holzleisten aus tasmanischer Kiefer, aufgeschraubt auf vier Quertraversen und die hintere Standfläche aus massivem Holz, bilden diesen Stuhl. Zunächst als Einzelstück in den eigenen Werkstätten von Marc Newson gebaut, wird der Wooden Chair heute unter der Bezeichnung MN/30 vom italienischen Möbelhersteller Cappellini in leicht überarbeiteter Ausführung hergestellt. Das von Marc Newson verwendete tasmanische Kiefernholz wurde von Cappellini durch Buchenholz ersetzt und auch kleine Korrekturen an der Neigung der Rückenlehne flossen in die heutige Produktion ein.

Die Miniatur des „Wooden Chair MN/30“ hat Halil Hinz für seine eigene Sammlung hergestellt.

Maße der Miniatur: 171 x 136 mm, 116 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniatur besteht genau wie das große Original aus 2 x 12 unterschiedlich langen und gebogenen Holzleisten mit einem Querschnitt von nur 3 x 1,5 mm. Die Holzleisten sind in gleichmäßigen Abständen in den Aussparungen der Traversen und der hinteren Standfläche befestigt. Zur Befestigung verwendete Halil Hinz 168 Schlitzschrauben mit einem Durchmesser von knapp 1 mm.

Zur Aufbewahrung dieser filigranen Miniatur wurde extra eine kleine Vitrine aus Acrylglas angefertigt, die nicht nur Schutz bietet, sondern auch die Wertigkeit dieser tollen Arbeit unterstreicht.


Foto: Halil Hinz

Sammlerfreunde

Sonntag, 03. Dezember 2017

Miniaturen von Halil Hinz

Halil Hinz hat mich besucht und einige seiner Miniaturen mitgebracht. Der Tischlermeister aus Engelskirchen besitzt eine sehr umfangreiche Sammlung von Miniaturstühlen, die teilweise von ihm selber angefertigt wurden. Bisher waren es bevorzugt Miniaturstühle der Entwürfe von Gerrit Rietveld, die er im Maßstab 1:6 und in einer Auflagen von 4 oder 5 Exemplaren herstellte.


Halil Hinz in der Werkstatt
© BM-Foto: Heinz Fink

Ganz aktuell hat Halil Hinz eine Miniatur des Wooden Chairs von Marc Newson im Maßstab 1:6 fertiggestellt. Die Miniatur besteht aus 24 verformten Buchenleisten in einem äußerst kleinen Querschnitt, die mit knapp 1 mm großen Schlitzschrauben an den quer verlaufenden Traversen befestigt sind.

Aus seiner mitgeführten Transportkiste zauberte Halil Hinz eine Miniatur nach der anderen hervor. Den selbst gebauten Stick Chair von Rietveld, die gerade erworbene Vitra Miniatur des Hardoy Chairs (auch Butterfly Sessel genannt) und zwei Experimentiermodelle des von Gerrit Rietveld entworfenen Faltsessel aus Aluminium. Über diese Miniaturen berichte ich ausführlicher und mit weiteren Abbildungen in meinen nächsten Beiträgen.

Wir Miniaturensammler haben zwar nicht die Platzprobleme der Sammler großer Originale, aber man kann einfach nicht alle Miniaturen mit sich führen, die man gerne bei einem Besuch zeigen möchte. Es fehlten der kürzlich von Halil Hinz fertiggestellte Isokon Long Chair von Marcel Breuer, eine Miniatur des Ikea Sessels Poäng in modifizierter Ausführung und auch Rietvelds „Steckstuhl“ aus gebogenem Sperrholz, dessen Entwurf nie über das Prototypenstadium hinaus kam.

Ausführliche Informationen über die von Halil Hinz angefertigten Miniaturen findet man in seinem Blog www.miniaturstuhldesign.de. Sammler, die an eventuell noch verfügbaren Miniaturen interessiert sind, können sich auch per E-Mail joi738@aol.com direkt an Halil Hinz wenden.


Wooden Chair von Marc Newson, 1988
Maßstab: 1:6
Hersteller: Halil Hinz


Stick Chair von  Gerrit Rietveld, 1924
Maßstab: 1:6
Hersteller: Halil Hinz


Hardoy Chair von Grupo Austral, 1938
Maßstab: 1:6
Hersteller: Vitra Design Museum


Aluminium-Stuhl von Gerrit Rietveld, 1942
Maßstab: 1:6
Experimentiermodelle von Halil Hinz

 

Aldo Rossi

Sonntag, 24. August 2014

Maxiatur „Parigi“

Rossi_Parigi-01
Foto © Dirk Dowald

Die Maxiatur Aldo Rossis Armlehnensessels Parigi steht unübersehbar auf einer Freifläche vor der Sparkasse in Weil. In siebenfacher Vergrößerung gehört die Maxiatur zu den drei Großen der im Stadtgebiet von Weil ausgestellten Objekte.

In dem Büchlein „Die Stadt der Stühle · Nimm Platz in Weil am Rhein“ wird die Entstehung und das Aufstellen der Maxiatur in 10 Bildern sehr anschaulich dargestellt.

Die unten abgebildete Miniatur des Sessels Parigi ist eine Einzelanfertigung und befindet sich in der Sammlung meines Sammlerfreundes Benedikt Georgi. Auch das Foto der Miniatur hat Benedikt Georgi angefertigt und ich danke ihm ganz herzlich für die Überlassung und die Genehmigung, dieses schöne Bild veröffentlichen zu dürfen.

Maxiatur
Ausstellungsort: Sparkasse Markgräflerland, Hauptstraße 279, Weil
Maßstab: 7:1
Gesamthöhe: 6,00 m
Aufgestellt am: 25. März 2004

Miniatur (Bild unten)
Maßstab: 1:6
Maße: 120 x 160 mm, 145 mm hoch

Rossi_Parigi-02
Foto Benedikt Georgi