Archiv für die Kategorie ‘Eigene Anfertigung’

Isaac I. Cole

Sonntag, 17. Juni 2018

Miniatur “ Plywood Chair“

 „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“
Eine Auststellung im Röntgen-Museum Neuwied 
17.06.-04.11.18

Heute wird im Röntgen-Museum Neuwied die Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ eröffnet. Bis zum 4.11.2018 werden Möbel, deren gebogene Möbelteile aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellt wurden, gezeigt.

Für die Ausstellung habe ich eine Miniatur des Plywood Chairs, einem Entwurf von Isaac I. Cole, angefertigt und sie dem Röntgen-Museum leihweise zur Verfügung gestellt. Bereits 1873 entwarf Isaac I. Cole aus New Jersey/USA diesen Stuhl aus dem damals neuartigen Material Sperrholz und meldete 1874 ein Patent auf diesen Stuhl an. Das von Cole hergestellte Patentmodell im Maßstab ca. 1:5 befindet sich heute im Besitz des Museum of Modern Art in New York.

Die folgenden Bilder zeigen die Miniatur und verschiedene Arbeitsschritte der Anfertigung.

Maße der Miniatur: 80 x 102 mm, 179 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: ca. 1:6

Um die Konturen und Proportionen des von Cole entworfenen Stuhls möglichst genau wiederzugeben, habe ich zunächst Skizzen von der Sitzschale und den Einlagen im Maßstab 1:6 angefertigt. Eine Papierschablone der Sitz- und Rückenfläche, aufgeklebt auf eine ausgeschnittene Seitenkontur aus Sperrholz, ermöglichte mir nach einigen kleinen Korrekturen, die Rückenlehnenneigung und die Gesamthöhe festzulegen.

Die Einlagen in der Sitzschale habe ich mit einem Schaftfräser ausgeschnitten und später auf eine untergeleimte, quer verlaufende Furnier-Mittellage passgenau wieder eingeleimt. Um nun die Konturen der Sitzschale zu formen, habe ich aus einem zusammengeleimten MDF-Block eine Form geschnitten und die zwei bereits verleimten Furnierlagen mit einer dritten Lage Furnier unter hohem Druck dauerhaft verformt und verleimt. Die gleiche Vorgehensweise habe ich für die äußere Rückenplatte und das Verbindungselement unter der Sitzfläche angewendet. Nach gründlichem Schleifen aller drei Bauteile habe ich diese nach einem vorher festgelegten Farbton leicht gebeizt und matt lackiert. Der letzte Arbeitsschritt war das Verleimen aller drei Teile und eine leichte Nachbearbeitung der Kantenausbildung.

  

Walter Gropius

Sonntag, 22. April 2018

Miniatur „Armlehnstuhl D51“


Armlehnstuhl Modell D51 im Einrichtungshaus Biermann, Hagen,
Maßstab 1:1


Miniatur des Armlehnstuhls Modell D51,
Maßstab 1:6


Vestibül im Fagus-Werk

Mit diesem von Walter Gropius entworfenem Armlehnstuhl – damals jedoch noch ohne Sitz- und Rückenpolster  – wurde 1922/23 das Vestibül des Fagus-Werkes in Alfeld/Leine eingerichtet. Zur Einrichtung gehörten auch eine Bank und ein Tisch, die ursprünglich in naturfarbiger und gebeizter Eiche ausgeführt waren. Später wurde die Einrichtung im Fagus-Werk weiß lackiert, wie es auf dem historischen Foto zu sehen ist. Heute wird der Sessel und die dazu passende Bank von TECTA Bruchhäuser & Drescher KG in Lauenförde in massiver Esche hergestellt.

Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur war ein TECTA-Armlehnstuhl, den ich im Einrichtungshaus Biermann in Hagen fotografieren und vermessen konnte. Ich danke Herrn Biermann, daß er mir die Möglichkeit gegeben hat. Für die Überlassung des historischen Fotos und der Entwurfs-Abbildung aus dem Buch „WALTER GROPIUS und das Faguswerk“ danke ich Frau Daniela Drescher und Herrn Axel Bruchhäuser.

Hier sind nun einige Informationen zur Miniatur:

Maße der Miniatur: 100 x 93 mm, 132 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniatur habe ich aus schichtverleimtem und massivem Eschenholz hergestellt. Das Sperrholz für die Sitzplatte und den Rücken habe ich aus drei, bzw. fünf Lagen 0,6 mm starkem Eschenfurnier kreuzweise verleimt. Die Leisten für das Gestell und den Sitzrahmen haben einen Querschnitt von 7 x 7 mm, sind teilweise zur Aufnahme der Rückenlehnenplatte ausgefräst, auf Gehrung verleimt und entsprechend dem großen Vorbild an den Ecken gerundet.

  

  

Nach einer Probemontage habe ich alle Oberflächen gründlich geschliffen, schwarz gebeizt, seidenmatt lackiert und verleimt. Die Polsterelemente sind mit einem anthrazit-weiß gestreiften Stoff bezogen und fest mit dem Stuhl verbunden.

  

Frankfurter Küchenstuhl

Sonntag, 25. März 2018

Miniatur „Frankfurter Küchenstuhl“

In den Jahren von 1925 bis 1930 entstand unter Leitung des Architekten Ernst May das Wohnbau- und Stadtplanungsprogramm Neues Frankfurt. Im Rahmen dieses Projekts entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 die Frankfurter Küche, den Urtyp der modernen Einbauküche.

Und dann ist da noch der Frankfurter Stuhl oder Frankfurter Küchenstuhl!!

Stoelcker, Hersteller des sogenannten Frankfurter Stuhls schreibt dazu: “ Im Jahre 1926 wurde von Bauhausarchitekten ein neuer Küchentyp entworfen, die Frankfurter Küche. Der Küchenarbeitsplatz wurde erstmals nach ergonomischen und praktischen Erwägungen gestaltet. Und in diesen Küchen stand auch dieser Stuhl.“

Historische Aufnahmen der Frankfurter Küche zeigen jedoch als Sitzmöbel einen Drehhocker, mit oder ohne Rückenlehne. In einem historischen Film über die Frankfurter Küche ist auf einer Texttafel zu lesen: „Der Drehstuhl, den sich jede Frau beliebig hoch einstellen kann, gewährt die Möglichkeit, die meisten Arbeiten in der Küche sitzend vornehmen zu können.“

Immer mit dem Gedanken, nicht ausreichend Material zum Frankfurter Stuhl und eine Verbindung zum Bauhaus zu haben, bat ich meinen Sammlerfreund Benedikt Georgi um eine Auskunft. Benedikt Georgi besitzt nicht nur eine sehr umfangreiche Miniaturensammlung und das Wissen zu jedem Stuhlentwurf, sondern ist auch ambitionierter Bauhausexperte mit einer sehr umfangreichen Bibliothek, in der es zum Frankfurter Stuhl Informationen hätte geben müssen. Hier nun seine Antwort:

„Auch Ich habe noch weiter bezüglich des Frankfurter Stuhls recherchiert. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass er weder mit der Frankfurter Küche noch mit dem Bauhaus zu tun hat. Es scheint ein anonymer Werksentwurf zu sein, der insbesondere in den fünfziger Jahren verschiedentlich kopiert bzw. leicht verändert produziert wurde und zum Inbegriff eines Stuhls wurde. Da die Frankfurter Küche als Ursprung aller Einbauküchen gilt, haben findige Marketingleute den Stuhl dann irgendwann als Frankfurter Stuhl vermarktet.“

Dessen ungeachtet habe ich mich mit dem Frankfurter Stuhl weiter beschäftigt und ihn als Miniatur für meine Sammlung angefertigt.

Maße der Miniatur: 66 x 71 mm, 135 mm hoch.

Maßstab der Miniatur:1:6

Die Miniatur habe ich aus massivem und teilweise schichtverleimtem Buchenholz angefertigt. Reduziert, so wie der heute noch von Stoelcker hergestellte Stuhl, besteht  auch meine Miniatur aus zwei geraden Vorderbeinen, zwei leicht geschwungenen Hinterbeinen, einem formverleimtem Sitz mit gerundeter Vorderzarge und einer leichten Sitzmulde sowie der gebogenen Rückenlehne.

Die folgenden Abbildungen zeigen einige Schritte meiner Anfertigung.

  

Um die Mulde in die Sperrholzplatte des Sitzes einzuprägen, habe ich aus dünnen Tischlerplatten zwei Schablonen geschnitten. Einen Zuschnitt habe ich in der Größe der Sitzmulde rund ausgeschnitten und das Gegenstück mit drei runden Furnierplättchen in unterschiedlichen Größen aufgefüttert. Um scharfe Kanten durch den Druck beim Verleimen der Sitzplatte zu vermeiden, habe ich Ausschnitt und Plättchen mit Schaumstoff aufgefüttert.

  

  

Den Sitzrahmen habe ich aus mehreren Lagen Buchenfurnier formverleimt und später mit der gefrästen und geschlitzten Vorderzarge und der Sitzplatte verbunden. Die mit einem Zapfen versehenen Vorderbeine und die später ausgeklinkten Hinterbeine geben der Miniatur nach dem Verleimen seine Stabilität.

Die Abbildungen oben und unten zeigen die Miniatur vor dem Verleimen, einfach nur probeweise zusammengesteckt.

  

Brian Wood

Sonntag, 31. Dezember 2017

Miniatur „Rear Guard Chair MK II“

Jaguar Mark II, Baujahr 1959, Maßstab 1:18
Rear Guard Chair MK II, Entwurfsjahr 1979, Maßstab 1:6

Der Rear Guard Chair MK II ist ein Entwurf des Australiers Brian Wood aus dem Jahr 1979. Inspiriert durch die Formensprache eines Jaguar Mark II schuf Brian Wood diesen aus nur zwei gleichen Seitenteilen und einer Sitzschale bestehenden Sessel.

Für mein Foto lieh mir ein Freund aus seiner Modellautosammlung das Modell eines Jaguar Mark II im Maßstab 1:18. Deutlich lassen sich formale Übereinstimmungen, wie z.B. die der Heckklappe und der hinteren Radausschnitte erkennen.

  

Fasziniert von der reduzierten, aber trotzdem aufwendigen Konstruktion dieses Sessels, nahm ich mir vor, eine Miniatur für meine Sammlung anzufertigen. Zwei in einem Internetbeitrag gefundene Abbildungen (s.oben) waren Vorbild für meinen Nachbau.

Maße der Miniatur: 120 x 142 mm, 108 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Um die Einzelteile der Miniatur herzustellen, schnitt ich aus mehreren Lagen zusammengeleimter MDF-Platten eine Form in Kontur der Seitenteile. In ihr verleimte ich sieben Lagen 0,6 mm starkes Buchenfurnier. Da sich das Formholz auch nach der Verarbeitung noch verändert, stellte ich das Seitenteil in doppelter Breite her und schnitt es später in zwei gleichbreite Teile. So ist gewährleistet, daß sich die Seitenteile gleichmäßig verändern und die Miniatur einen festen Stand behält.

In einer zweiten Form verleimte ich aus fünf Lagen Buchenfurnier die Sitzschale. Nach Bearbeitung der Kanten und einem gründlichen Oberflächenschliff, schnitt ich die Aussparungen zur Aufnahme der Sitzschale in die Seitenteile. Bereits durch einfaches Zusammenstecken, entstand so diese wunderschöne Miniatur. Nach dem noch ausstehenden Lackieren mit seidenmattem Klarlack, werden die Seitenteile fest mit der Schale verbunden, um so die gewünschte Stabilität zu erreichen.

 

Marcel Breuer

Sonntag, 08. Oktober 2017

Miniatur „Isokon Dining Chair“

Während seines Englandaufenthaltes in den Jahren 1935 und 1936 entwarf Marcel Breuer eine Reihe von Schichtholzmöbeln für die gerade gegründete Isokon Furniture Company in London. Isokon hatte sich auf die Herstellung moderner Möbel aus Sperrholz spezialisiert und produzierte die von Marcel Breuer entworfenen Möbel, zu denen auch der hier abgebildete Dining Chair gehörte. Noch heute werden von Isokon einige Entwürfe Marcel Breuers produziert und angeboten.

Die Miniatur des Isokon Dining Chairs habe ich für meine Sammlung selber angefertigt.

Maße der Miniatur: 69 x 90 mm, 125 mm hoch

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das zur Anfertigung der Miniatur erforderliche Plattenmaterial habe ich aus drei bzw. fünf Lagen 0,6 mm starkem Birkenfurnier kreuzweise verleimt. Um die formverleimten Elemente anfertigen zu können, habe ich entsprechende Formen aus MDF-Platten herausgeschnitten und die Formteile unter starkem Druck darin verpresst.

Die zugeschnittenen Einzelteile für das Untergestell, die formverleimten Elemente für Sitz und Rücken, sowie verschiedene Montageschritte bis hin zur fertigen Miniatur, zeigen die folgenden Bilder.

  

  

 

Gerrit T. Rietveld

Sonntag, 27. August 2017

Miniatur „Zig-Zag-Stuhl aus gebogenem Holz“

In den 1930er Jahren entwarf Gerrit Rietveld mehrere Varianten des Zig-Zag-Stuhls. In einer Reihe von Experimenten mit verschiedenen Materialien und Materialkombinationen entstand auch ein Zig-Zag-Stuhl aus gebogenem und lackiertem Holz. Der in der Ausstellung „Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums“ des Vitra Design Museums gezeigte Stuhl ist Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur.

Da in der  Literatur keine Maße dieses Stuhles angegeben werden, habe ich für meine maßstäblichen Skizzen weitgehend die Maße der Zig-Zag-Miniatur des Vitra Design Museums übernommen. Auch die im Katalog abgebildete Zeichnung der Seitenansicht verhalf mir zu einem originalgetreuen Entwurf.

Maße der Miniatur: 56 x 70 mm, 123 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die folgenden Bilder zeigen Arbeitsschritte von der Skizze bis zur Fertigstellung:

Einige Skizzen, immer wieder mit kleinen Maßkorrekturen waren erforderlich, um zu einem authentischen Ergebnis zu kommen. Aus drei miteinander verleimten MDF-Platten habe ich eine Form geschnitten und darin sieben Lagen Buchenfurnier kreuzweise und unter Druck verleimt.

Die engen Radien machten mir beim Biegen der Furnierschichten doch sehr zu schaffen. Vier Versuche waren erforderlich um eine saubere und einwandfreie Verleimung der Miniatur zu erzielen.  Schließlich war ich nach dem Lösen des letzten Versuchs aus der Form und dem Zuschnitt auf der Bandsäge mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Nach gründlichem Schleifen der Oberfläche habe ich die Miniatur in einem Lackierbetrieb grünbeige (RAL 1000) beschichten lassen und abschließend braune Filzgleiter angebracht.

Das wirklich gelungene Ergebnis zeigen die folgenden Bilder.

Rolf Sachs

Sonntag, 02. Juli 2017

Miniatur „Original, 1993“

Das Sitzobjekt Original entwarf der Schweizer Designer Rolf Sachs im Jahr 1993. Der minimalistische Entwurf dieses Stuhls besteht aus sechs gleichgroßen, auf Gehrung miteinander verleimten Elementen aus MDF-Platten. Vier Elemente bilden das Unterteil in Form eines zweiseitig offenen Würfels und zwei Elemente das frei bewegliche L-förmige Oberteil. Eine Miniatur dieses von Rolf Sachs hergestellten Prototypen habe ich für meine Sammlung selber angefertigt.

Maße der Miniatur: 71 x 71 mm, 142 mm hoch

Maßstab der Miniatur: 1:6

Zur Anfertigung der Miniatur habe ich 5 mm starke MDF-Platten auf das Maß von 71 x 71 mm zugeschnitten und jeweils zwei, bzw. eine Kante auf 45° abgeschrägt. Nach Verleimen der Gehrungen habe ich alle Oberflächen leicht angeschliffen und mit transparentem Klarlack lackiert.

Die beiden folgenden Bilder zeigen die Zuschnitte in einer Materialstärke von 8 mm. Wegen der nicht stimmenden Proportionen habe ich schließlich 5 mm Material verwendet, wie es auf dem oberen und den beiden letzten Bildern zu sehen ist.

 

 

Noriko Hashida

Sonntag, 21. Mai 2017

Miniatur „Pages 2 / Arm Chair“

  

  

Den Sessel Pages 2 entwarf die japanische Designerin Noriko Hashida im Jahr 2012. Das schlichte Holzgestell mit glatten Sperrholzplatten für Sitz und Rücken ist mit zehn Stoffbahnen in unterschiedlichen Farben gepolstert. Durch Umschlagen einzelner Stoffbahnen verändert man geringfügig die Sitzhöhe und Sitztiefe und kann so für unterschiedlich große Nutzer eine bequeme Sitzposition einstellen. Gleichzeitig ergeben sich verschiedene Farbkombinationen der Polsterung.

Bereits im Jahr 2005 entwarf Noriko Hashida Pages 0 und im Jahr 2011 Pages 1. Abbildungen dieser Stuhlentwürfe und auch anderer Entwürfe der Designerin finden sich hier.

Die Miniatur des Sessels habe ich für meine Sammlung selber angefertigt. Einige Arbeitsschritte zeigen die folgenden Bilder.

Maße der Miniatur: 108 x 120 mm, 120 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Da mir Detailmaße fehlen, gehe ich davon aus, daß die Platten für Sitz und Rücken beim Originalsessel etwa 10 mm stark sind. Für die miniaturisierten Sperrholzplatten habe ich deshalb drei Lagen 0,6 mm starkes Ahornfurnier kreuzweise verleimt und für das Gestell die Leisten aus massivem Ahornholz angefertigt.

In meiner Montagehilfe aus drei rechtwinklig miteinander verbundenenen MDF-Platten verleime ich Gestellelemente und ganze Gestelle. Kurze Zeit mit der Hand zusammengedrückt oder je nach Konstruktion mit einer Vorlage und Schraubzwingen verspannt, entstehen so feste Verbindungen im rechten Winkel. Hier befindet sich das vordere, noch unverleimte Gestell in der Montagehilfe.

  

Das Bild links zeigt die bereits verleimten vorderen und hinteren Gestellteile, die hier noch zur Aufnahme der Dübel gebohrt werden. Das rechte Bild zeigt das komplette Gestell, jedoch noch ohne Armlehnen und Sperrholzplatten für Sitz und Rücken.

Die Stoffe für die Polsterung habe ich aus Filztuch zugeschnitten, da das Tuch von beiden Seiten einsetzbar ist. Im unteren Bereich der Rückenlehne sind die Stoffbahnen mit doppelseitigem Klebeband fixiert (s. Bild unten) und anschließend zwischen den hinteren Traversen befestigt.

Vor Befestigung der Polsterung habe ich das Gestell seidenmatt lackiert und zusätzlich mit Metallgleitern versehen.

Charlotte Perriand

Sonntag, 09. April 2017

Miniatur „Lounge Chair / Bamboo Chair“


Foto: Thomas Bieber

Den Bamboo Chair – in einigen Veröffentlichungen auch als Lounge Chair bezeichnet – entwarf Charlotte Perriand 1941 während eines langjährigen Japanaufenthalts für eine Ausstellung im Takashimaya Kaufhaus in Tokyo. Das Gestell des oben abgebildeten Sessels ist in Eiche ausgeführt. Die 14 verformten Holzstreifen aus Bambusholz bilden die Sitz- und Rückenfläche und sind an den Querverbindungen und einer unter dem Sitz befindlichen Strebe befestigt. Beschläge aus Bronze sind im Bereich der Rückenlehne und der vorderen Traversen angebracht.

Einen Originalsessel entdeckte  Thomas Bieber aus Würzburg im Schaufenster des Antiquitätengeschäfts Markus in der Nürnberger Innenstadt. Schon seit einigen Jahren teilen wir unsere Vorliebe für ausgefallenes Design, Möbel aus Holz und natürlich Miniaturen historischer und zeitgenössischer Stuhlentwürfe. Thomas Bieber schickte mir das Bild mit dem Hinweis, diesen Sessel doch als Miniatur für meine Sammlung anzufertigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch nicht mit dem Biegen und Verformen ganzer Holzgestelle beschäftigt. Da mir einfach der Mut fehlte, verschwand das Bild erst mal ganz tief in meinem Bildarchiv.

Nachdem ich die ersten Versuche mit dem Verformen von Holz erfolgreich durchgeführt hatte, wagte ich mich dann an die Anfertigung der Miniatur des Bamboo Chairs. Das Ergebnis zeigen die beiden folgenden Bilder.

Das Gestell habe ich aus mehreren Lagen Eichenfurnier verleimt und verformt; meine Versuche, die Holzstreifen aus Bambusholz herzustellen, waren leider nicht erfolgreich. Nach dem Verleimen und Biegen von zwei Lagen Bambusfurnier in einer Breite von 3 mm, brachen die unter Spannung stehenden Leisten im Bereich der Außenradien und bildeten regelrechte kleine „Pfeilspitzen“. Auch durch gründliches Schleifen erzielte ich keine glatte Oberfläche. Deshalb entschied ich mich, die Holzstreifen aus 1 x 3 mm starken Eichenleisten zu biegen. Nach Befestigung der Holzstreifen durch kleine Messingstifte habe ich die schon vorher gebeizte Oberfläche mit Klarlack lackiert.

Maße der Miniatur: 100 x 113 mm, 116 mm hoch

Maßstab der Miniatur: 1:6

Auf die Beschläge aus Bronze habe ich verzichtet, da sich die Beschaffung des Materials in der geringen Stärke und Mindermenge als problematisch herausstellte. Da Charlotte Perriand offensichtlich den Sessel auch ohne die Bronzebeschläge herstellen lies, sehe ich meine kleine Abweichung vom oben gezeigten Original als erlaubt an.

Die folgenden Bilder zeigen einige Schritte meiner Anfertigung: Zum Biegen und Verformen der Seitengestelle und der Streifen für Sitz und Rücken habe ich Formen aus MDF-Platten und Sperrholz geschnitten. Die Form für die Seitengestelle habe ich so breit gewählt, daß ich die Elemente für beide Seiten daraus schneiden konnte. So ist gewährleistet, daß beide Seitengestelle die gleiche Spannung haben und die Miniatur fest steht. Die schmalen Streifen für Sitz und Rücken habe ich einige Zeit in heißem Wasser „weich gekocht“ und konnte sie dann leicht vorgebogen in die Formen einlegen und verspannen.

  

  

Um die hintere und obere Querstreben passgenau einzuleimen, habe ich mir ein Hilfswerkzeug gebaut, welches für eine Rechtwinkligkeit und einen festen Stand der Miniatur sorgte. Die 14 verformten Holzstreifen habe ich dann an den Traversen und der Strebe unter dem Sitz befestigt und abschließend in die Nut der oberen Querstrebe eingeleimt. Einige Zwischenschritte wie das Beizen der Einzelelemente, das Einschlagen kleiner Messingstifte und verschiedene Teilmontagen waren natürlich erforderlich, um die Miniatur fertigzustellen.

Anders Hammarstrand

Sonntag, 12. März 2017

Miniatur „Modell 11“

Neben dem Sesselentwurf  des Modell 11 schuf der schwedische Maler, Bildhauer und Möbeldesigner Anders Hammarstrand mehr als 20 weitere Sitzmöbel aus massivem Vierkantholz und rechteckigen Holzplatten. Die vertikalen, horizontalen und in unterschiedlichen Schrägen miteinander verbundenen Holzelemente bilden Stühle und Sessel mit skulpturalem Charakter, wobei auch die ergonomischen Aspekte nicht außer Acht gelassen wurden.

Konstruktiv ist das Modell 11 eine sehr mutige Entwicklung, da Sitz und Rückenlehne voneinander getrennt sind und die frei schwebende Sitzfläche im vorderen Bereich ohne stabilisierende Verbindung zum Fußgestell auskommen muß. Die von Anders Hammarstrand für seine Entwürfe verwendeten Harthölzer wie Ulme oder Ahorn und beim Modell 11 Esche, garantieren jedoch eine hohe Festigkeit der Verbindungen.

Die Miniatur des Modell 11 habe ich selber für meine Sammlung angefertigt und die Oberfläche des Holzes genau wie beim großen Original mit Wachs behandelt.

Maße der Miniatur: 113 x 149 mm, 178 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Für die Miniatur habe ich Vierkantleisten und massive Brettchen aus Eschenholz zugeschnitten verdübelt und miteinander verleimt. Vorbild waren Abbildungen des Originalsessels, die ich auf der Website eines Anbieters fand. Die umgerechneten Außenmaße des Sessels garantieren den Maßstab 1:6, wobei ich die Maße der Gestellleisten und die Breiten von Sitz und Rückenlehne frei festgelegt habe.

Die unten zu sehenden Bilder zeigen einige Produktionsschritte meiner Anfertigung. Um den Winkel für Rückenlehne und Sitzelement genau zu treffen, habe ich eine Zeichnung im Maßstab 1:6 angefertigt, die beim Zuschnitt der Schrägen sehr hilfreich war.