Archiv für die Kategorie ‘3. Miniaturenwerkstatt’

Tom Dixon

Sonntag, 24. Februar 2019

Miniatur „Fan Stool“

Der britische Designer Tom Dixon entwarf im Jahr 2013 die Möbelserie Fan, eine moderne Variante der klassischen Windsor Entwürfe. Zur Produktfamilie gehört auch dieser Hocker, dessen kreisförmige Basis aus 22 kegelförmigen, aber im oberen Bereich beidseitig abgeflachten Holzstäben besteht. Eingelassen in einen Fußring und einen kleineren, unter der Sitzplatte befindlichen Ring, bilden die Holzstzäbe eine Basis und eine stabile Auflage für den mit schwarzem Leder bezogenen Sitz.

Die Miniatur des Hockers habe ich für meine Sammlung selber angefertigt.

Maße der Miniatur: Ø 63 mm, 75 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Holzteile der Miniatur habe ich aus Buchenholz hergestellt, schwarz gebeizt und mit Klarlack seidenmatt lackiert. Der runde Sitz ist leicht gepolstert und mit schwarzem Leder bezogen. Eine kleine Besonderheit der Miniatur sind die 22 Holzstäbe. Die Holzstäbe habe ich einzeln und freihändig an meiner Schleifmaschine zurechtgeschliffen und durch die kleinen Unregelmäßigkeiten ist jede Leiste ein Unikat:-)

Die folgenden Bilder zeigen verschiedene Arbeitsschritte meiner Anfertigung.

  

  

Archizoom Associati

Sonntag, 30. Dezember 2018

Miniatur „Mies“

Der Sessel Mies ist ein Entwurf der italienischen Designer- und Architektengruppe Archizoom aus dem Jahr 1969. Die Namensgebung versteht sich als Hommage an Mies van der Rohe, der Entwurf, entstanden in der Zeit des italienischen Radical Designs, karikiert den von Mies van der Rohe entworfenen Barcelona Sessel.

Der Sessel Mies besteht aus einem keilförmig konstruierten Metallrahmen aus verchromtem Vierkantstahlrohr und ist mit einem die Sitzfläche bildenden Gummituch bespannt. Das fellbezogene Nacken- oder Kopfkissen ist beweglich mit zwei Schlaufen an der oberen Querstrebe befestigt. Die indirekt beleuchtete Fußbank mit einer Breite von über einem Meter besteht aus abgekanteten, verchromten Blechen, ist gepolstert und ebenso wie das Kopfkissen mit Ponyfell bezogen.

Das Vitra Design Museum produzierte im Jahr 1997 zehn Miniaturen des Sitzobjekts Mies. Je eine der Miniaturen befindet sich in den vier Sätzen der Miniaturenausstellung

„Designmaßstäbe  – 100 klassische Sitzmöbel“,

die ab Juni 1997 weltweit parallel gezeigt wurden. Aus der Überproduktion konnte ich im November 2011 eine Miniatur für meine Sammlung kaufen.

Maße der Miniatur: Sessel: 123 x 215 mm, 128 mm hoch,
Fußbank: 174 x 34 mm, 50 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Metallgestell der Miniatur ist verchromt, für die bespannte Sitzfläche aus Gummi verwendete man Zuschnitte aus armlangen Latex-Arbeitshandschuhen, da sich für die benötigte, sehr geringe Menge Gummituch kein Hersteller fand. Die verchromten Bleche des Fußhockers sind wie beim großen Original abgekantet und die Wangen sind innen mit eingeschraubten Blenden versehen.

Für die Bezüge der Polster wurde das Fell junger Lämmer verwendet. Das Einfärben der braunen Flecken erfolgte nach vielen Versuchen in einem sehr aufwendigen Verfahren mit Haarfärbemitteln.

Die folgenden Bilder zeigen den notwendig gewordenen Austausch des Gummituchs, da im Lauf der Zeit der Gummi ausgehärtet und spröde geworden ist. Mit kleinen Rissen fing es an und später zerbröselte das „Sitzpolster“ bei der kleinsten Berührung.


Das kleine Bild zeigt die Miniatur im Jahr der Anschaffung. (2011) Das durchhängende Polster ist zwar an großen Stellen noch elastisch, lässt aber bereits erkennen, daß es seine gute Zeit hinter sich hat.

Das Beschaffen eines neune Gummibezuges war schon ein kleines Abenteuer. In einem Großhandelsunternehmen für technische Gummiwaren und Kunststoffe fand ich nach langem Suchen schließlich das was ich brauchte. Aus einer Restekiste zauberte der Mitarbeiter des Unternehmens ein Stück Gummi hervor, welches genau die von mir gewünschte Farbe hatte und wenige Zentimeter größer war, als ich es benötigte.

Nun konnte ich die Miniatur zerlegen und die Befestigungsleisten aus Holz und Metall von den ausgehärteten Gummiresten befreien. Nach dem genauen Zuschnitt des Gummituchs habe ich dieses mit den oberen und unteren Leisten neu befestigt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Gerald Summers

Sonntag, 02. Dezember 2018

Miniatur „Cut Ply Chair (CPC)“

Der Cut Ply Chair, auch kurz CPC genannt, ist ein Entwurf des Designers Gerald Summers aus dem Jahr 1934.

Eine Besonderheit ist der geringe Materialeinsatz, denn der Stuhl besteht nur aus einem zum Halbkreis geformten Mantel aus Birkensperrholz und dem gepolsterten Sitzelement. Die für den Mantel verwendete Sperrholzplatte ist ca. 112 x 66 cm groß und mit zwei spiegelbildlich angeordneten Ausschnitten versehen. Die horizontalen, etwas gekürzten Mittelstege sind unter den Sitz gebogen und durch zwei  Schrauben miteinander verbunden. Sie tragen neben der drei am Mantel befestigten Holzwinkel die Last des Sitzes. Um eine leichte Neigung der oberen Rückenlehne zu erreichen, ist die senkrechte Mittelstrebe mit Spannung nach vorne am Sitz befestigt. Zur Befestigung der Holzwinkel, hat Gerald Summers Sechskantschrauben aus Messing mit den entsprechenden Gegenmuttern verwendet und diese wohl bewusst sichtbar gelassen.

Von Summers‘ Cut Ply Chair habe ich für meine Sammlung eine Miniatur angefertigt.

Maße der Miniatur: 71 x 73 mm, 110 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Für den Sperrholzmantel der Miniatur habe ich drei Lagen Birkenfurnier kreuzweise miteinander verleimt und die äußeren und inneren Konturen entsprechend einer vorher angefertigten Papierschablone ausgeschnitten. Den zweiteiligen Sitz, bestehend aus dem mit dem Mantel befestigten Sitzträger und dem etwas größeren Oberteil mit einem umlaufenden Polsterrahmen, habe ich mit Schaumstoff leicht gepolstert und mit Stoff bezogen.

Die folgenden Bilder zeigen einige Arbeitsschritte meiner Anfertigung: Nach im Internet gefundenen Fotos und der dort angegebenen Maße habe ich eine Papierschablone hergestellt und diese an einer zuvor ausgeschnittenen Holzplatte – in Größe des späteren Sitzes – befestigt. Nach einigen Korrekturen habe ich den Sperrholzmantel entsprechend der Schablone zugeschnitten, alle Kanten sauber geschliffen und in noch nicht gebogenem Zustand seidenmatt lackiert.

  

Mit 1,6 mm starken Sechskantschrauben aus Messing habe ich die vorher angefertigten Holzwinkel am Sperrholzmantel und später auch am Sitz befestigt.

Das Sitzelement besteht aus drei unterschiedlich starken Sperrholzplatten: Der Trägerplatte, die nach Anbringen der Holzwinkel den Stuhl „in Form“ hält und der eigentlichen Sitzplatte mit einem umlaufenden Polsterrahmen. Ausgeschnitten habe ich alles auf der Bandsäge und anschließend wie bereits erwähnt, mit Schaumstoff leicht gepolstert und bezogen.

  

  

  

Durch das Biegen der horizontalen Mittelstege formt sich der Mantel im vorderen Bereich schon leicht nach innen. Deshalb habe ich genau wie beim großen Original die Seiten des Polsterrahmens angepasst und den Sitz so ohne seitlichen Druck einbauen können.

Gerald Summers

Sonntag, 07. Oktober 2018

Miniatur „Z-Tisch“


Miniatur im Maßstab 1:6

Der Z-Tisch ist ein Entwurf Gerald Summers‘ aus dem Jahr 1936.

Das Gestell des Tisches besteht aus einer halbkreisförmig verleimten Birkensperrholzplatte und ist ähnlich einem „Z“ von beiden Seiten ausgeschnitten. Die obere Platte liegt auf dem um Plattenstärke ausgeschnittenen Gestellteil auf und schließ bündig mit der Oberkante des verbleibenden Teils ab. Auch die untere Platte liegt auf dem Gestell auf und wird durch ein zusätzliches Sockelstück in der Größe eines Viertelkreises unterstützt. Die Schnittkanten der 19 mm starken Platten sind nicht mit Umleimern versehen, so daß die 13-lagige Sperrholzverleimung sichtbar bleibt.

Der in der Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ ausgestellte Tisch war Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur. Das Schnittmuster und die Maße der Einzelelemente habe ich dem zur Ausstellung erschienen Buch von Wolfgang Thillmann entnommen.

Maße der Miniatur: 92 x 55 mm, 75 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Um das Plattenmaterial auf  ein Sechstel der Original-Materialstärke zu verkleinern, habe ich fünf Lagen ca. 0,55 mm starkes Birkenfurnier plan, bzw. halbkreisförmig miteinander verleimt und entsprechend zugeschnitten. Die runden Tischplatten und das Tischgestell (in der Mitte der Materialstärke gemessen) haben einen Durchmesser von 55 mm und sind mit den fünf Lagen Furnier knapp 3,3 mm stark.

Die folgenden Bilder zeigen einige Schritte meiner Anfertigung: In einer aus einem verleimten MDF-Blog ausgeschnittenen Form habe ich mit einem kreisrunden Gegenstück die Furnierlagen verformt und verleimt. Nach Aushärten des Leims habe ich die Konturen ausgeschnitten, alles gründlich geschliffen und abschließend mit Klarlack beschichtet. Aus den plan verleimten Sperrholzplatten sind die runden Tischplatten entstanden und anschließend genauso bearbeitet worden. Vor Anbringung der Tischplatten habe ich nach kleinen Korrekturen die genauen Positionen festgelegt und für eine feste Verbindung an den passenden Stellen kleine Dübel eingeleimt.

Gerald Summers

Sonntag, 23. September 2018

Miniatur „High Back Chair“

Der von dem Briten Gerald Summers im Jahr 1934 entworfene High Back Chair ist einer von etwa einhundert Möbelentwürfen, die in den Jahren von 1931 bis 1940 in dem von Summers gegründetem Unternehmen Makers of Simple Furniture Ltd. hergestellt  wurden. Mit seinen sehr eigenständigen Möbelentwürfen aus Sperrholz war Summers in den 1930er Jahren der wohl innovativste Designer der britischen Moderne.

Der High Back Chair besteht aus zwei identisch zugeschnittenen Seitenteilen, einer quer verlaufenden vorderen Zarge und einer fest eingebauten Trägerplatte zur Aufnahme des Sitzpolsters. Der umhüllende Sperrholzmantel mit dem hoch ausgeschnittenen Rückenteil und ein aufgeschraubtes, mit Stoff bezogenes Sitzpolster, komplettierten diesen wunderschönen Stuhlentwurf.

Der in der Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“  im Röntgen Museum Neuweid gezeigte High Back Chair war Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur.

Maße der Miniatur: 72 x 69 mm, 171 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Sperrholz für die Miniatur habe ich aus 0,6 mm starkem Birkenfurnier in zwei unterschiedlichen Stärken wieder selber hergestellt. Für Seiten, Zarge und Sitz habe ich fünf Lagen Furnier kreuzweise verleimt, dagegen besteht der dünnere Sperrholzmantel aus nur drei Lagen Furnier.

Das im Buch zur Ausstellung abgebildete Schnittmuster des Sperrholzmantels war sehr hilfreich beim Zuschneiden aller Einzelteile. Auch die angegebenen Maße gaben mir große Sicherheit, die Miniatur maßstabsgetreu anzufertigen. Eine große Herausforderung war die Schwalbenschwanzverbindung, welche die Seiten mit der vorderen Zarge verbinden. Aber auch das ist gelungen und gibt der gesamten Konstruktion eine große Stabilität. Das Sitzpolster, mit einem leicht gestreiften Stoffbezug und die seidenmatte Lackierung der Holzteile tragen dazu bei, daß die Miniatur vom Original kaum zu unterscheiden ist:-)

Die folgenden drei Bilder zeigen die bereits verleimte Innenkonstruktion mit und ohne Sperrholzmantel.

Elena und Peter Simonik

Sonntag, 26. August 2018

Miniatur „Lowstack Chair“

Inspiriert von Holzstapeln, so wie sie in Sägewerken und Tischlereien zu finden sind, entwarfen die Designer Elena und Peter Simonik aus Bratislava Anfang der 2010er Jahre Sitzmöbel und Regale aus gestapelten Leisten und Holzbrettern. Unter der Bezeichnung Lowstack entstanden Sessel und Bänke in unterschiedlichen Breiten, die verschieden großen Regale nannten sie Highstack.

Die Sitzfläche besteht genau wie die Rückenlehne aus langen Brettern, dagegen bilden sich die Seitenteile aus unterschiedlich kurzen Zuschnitten. Schicht für Schicht aufgestapelt, immer mit einer im rechten Winkel verlaufenden Distanzleiste  ergeben sich so Strukturen, die an die bereits erwähnten Holzstapel erinnern.

Eine Miniatur des Lowstack Chairs habe ich für meine Sammlung selber hergestellt.

Maße der Miniatur: 165 x 116 mm, 114 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Ausgehend von etwa einem Zoll starken Brettern bei den großen Originalen, habe ich für die Miniatur Kiefernholzleisten auf ca. 4 mm Stärke gehobelt und in unterschiedliche Breiten geschnitten. Das Untergestell besteht aus 7 x 7 mm starken Leisten für Beine und Querverbindungen, die die Beinpaare verbindenden Längstraversen haben das Maß 7 x 4 mm.

Das Untergestell habe ich mit Schlitz und Zapfen zusammengeleimt und so einen stabilen Unterbau für  die Miniatur erhalten. Auf den folgenden Bildern ist der weitere Aufbau der Miniatur, beginnend mit den unterschiedlich langen Sitzbrettern und den sich noch oben verjüngenden Brettern für die Rückenlehne zu sehen. Das Aufleimen der kurzen Brettchen für die Seitenteile setzte größte Sorgfalt voraus, da der kleinste Versatz sofort ins Auge fiel.

  

Gemeinsam mit anderen Miniaturen aus Leisten und kleinen Brettchen habe ich den Lowstack Chair in einer meiner Vitrinen dekoriert.

Das folgende Bild zeigt links die Vitra-Miniatur „Favela“, hergestellt aus vielen kleinen Leisten in unterschiedlichen Breiten und Längen. Es folgt rechts neben dem Lowstack Chair die Miniatur „db Sedia“ von Martino Gamper. Diese Miniatur besteht aus 12 kleinen Brettern, die durch vier Leisten miteinander verbunden sind. Die Miniatur ist eine Anfertigung von Gerard Dago Jové aus Spanien. Auch die ganz rechts stehende Miniatur ist ein kleine Besonderheit. Es handelt sich um den Stuhl „Sedia 1123P“ einem Entwurf von Enzo Mari und hergestellt von dem italienischen Designer Sandro Catani.

Isaac I. Cole

Sonntag, 17. Juni 2018

Miniatur “ Plywood Chair“

 „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“
Eine Auststellung im Röntgen-Museum Neuwied 
17.06.-04.11.18

Heute wird im Röntgen-Museum Neuwied die Ausstellung „Schichten – Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne“ eröffnet. Bis zum 4.11.2018 werden Möbel, deren gebogene Möbelteile aus geschichtetem Holz oder Sperrholz hergestellt wurden, gezeigt.

Für die Ausstellung habe ich eine Miniatur des Plywood Chairs, einem Entwurf von Isaac I. Cole, angefertigt und sie dem Röntgen-Museum leihweise zur Verfügung gestellt. Bereits 1873 entwarf Isaac I. Cole aus New Jersey/USA diesen Stuhl aus dem damals neuartigen Material Sperrholz und meldete 1874 ein Patent auf diesen Stuhl an. Das von Cole hergestellte Patentmodell im Maßstab ca. 1:5 befindet sich heute im Besitz des Museum of Modern Art in New York.

Die folgenden Bilder zeigen die Miniatur und verschiedene Arbeitsschritte der Anfertigung.

Maße der Miniatur: 80 x 102 mm, 179 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: ca. 1:6

Um die Konturen und Proportionen des von Cole entworfenen Stuhls möglichst genau wiederzugeben, habe ich zunächst Skizzen von der Sitzschale und den Einlagen im Maßstab 1:6 angefertigt. Eine Papierschablone der Sitz- und Rückenfläche, aufgeklebt auf eine ausgeschnittene Seitenkontur aus Sperrholz, ermöglichte mir nach einigen kleinen Korrekturen, die Rückenlehnenneigung und die Gesamthöhe festzulegen.

Die Einlagen in der Sitzschale habe ich mit einem Schaftfräser ausgeschnitten und später auf eine untergeleimte, quer verlaufende Furnier-Mittellage passgenau wieder eingeleimt. Um nun die Konturen der Sitzschale zu formen, habe ich aus einem zusammengeleimten MDF-Block eine Form geschnitten und die zwei bereits verleimten Furnierlagen mit einer dritten Lage Furnier unter hohem Druck dauerhaft verformt und verleimt. Die gleiche Vorgehensweise habe ich für die äußere Rückenplatte und das Verbindungselement unter der Sitzfläche angewendet. Nach gründlichem Schleifen aller drei Bauteile habe ich diese nach einem vorher festgelegten Farbton leicht gebeizt und matt lackiert. Der letzte Arbeitsschritt war das Verleimen aller drei Teile und eine leichte Nachbearbeitung der Kantenausbildung.

  

Walter Gropius

Sonntag, 22. April 2018

Miniatur „Armlehnstuhl D51“


Armlehnstuhl Modell D51 im Einrichtungshaus Biermann, Hagen,
Maßstab 1:1


Miniatur des Armlehnstuhls Modell D51,
Maßstab 1:6


Vestibül im Fagus-Werk

Mit diesem von Walter Gropius entworfenem Armlehnstuhl – damals jedoch noch ohne Sitz- und Rückenpolster  – wurde 1922/23 das Vestibül des Fagus-Werkes in Alfeld/Leine eingerichtet. Zur Einrichtung gehörten auch eine Bank und ein Tisch, die ursprünglich in naturfarbiger und gebeizter Eiche ausgeführt waren. Später wurde die Einrichtung im Fagus-Werk weiß lackiert, wie es auf dem historischen Foto zu sehen ist. Heute wird der Sessel und die dazu passende Bank von TECTA Bruchhäuser & Drescher KG in Lauenförde in massiver Esche hergestellt.

Vorbild für die von mir angefertigte Miniatur war ein TECTA-Armlehnstuhl, den ich im Einrichtungshaus Biermann in Hagen fotografieren und vermessen konnte. Ich danke Herrn Biermann, daß er mir die Möglichkeit gegeben hat. Für die Überlassung des historischen Fotos und der Entwurfs-Abbildung aus dem Buch „WALTER GROPIUS und das Faguswerk“ danke ich Frau Daniela Drescher und Herrn Axel Bruchhäuser.

Hier sind nun einige Informationen zur Miniatur:

Maße der Miniatur: 100 x 93 mm, 132 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniatur habe ich aus schichtverleimtem und massivem Eschenholz hergestellt. Das Sperrholz für die Sitzplatte und den Rücken habe ich aus drei, bzw. fünf Lagen 0,6 mm starkem Eschenfurnier kreuzweise verleimt. Die Leisten für das Gestell und den Sitzrahmen haben einen Querschnitt von 7 x 7 mm, sind teilweise zur Aufnahme der Rückenlehnenplatte ausgefräst, auf Gehrung verleimt und entsprechend dem großen Vorbild an den Ecken gerundet.

  

  

Nach einer Probemontage habe ich alle Oberflächen gründlich geschliffen, schwarz gebeizt, seidenmatt lackiert und verleimt. Die Polsterelemente sind mit einem anthrazit-weiß gestreiften Stoff bezogen und fest mit dem Stuhl verbunden.

  

Frankfurter Küchenstuhl

Sonntag, 25. März 2018

Miniatur „Frankfurter Küchenstuhl“

In den Jahren von 1925 bis 1930 entstand unter Leitung des Architekten Ernst May das Wohnbau- und Stadtplanungsprogramm Neues Frankfurt. Im Rahmen dieses Projekts entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 die Frankfurter Küche, den Urtyp der modernen Einbauküche.

Und dann ist da noch der Frankfurter Stuhl oder Frankfurter Küchenstuhl!!

Stoelcker, Hersteller des sogenannten Frankfurter Stuhls schreibt dazu: “ Im Jahre 1926 wurde von Bauhausarchitekten ein neuer Küchentyp entworfen, die Frankfurter Küche. Der Küchenarbeitsplatz wurde erstmals nach ergonomischen und praktischen Erwägungen gestaltet. Und in diesen Küchen stand auch dieser Stuhl.“

Historische Aufnahmen der Frankfurter Küche zeigen jedoch als Sitzmöbel einen Drehhocker, mit oder ohne Rückenlehne. In einem historischen Film über die Frankfurter Küche ist auf einer Texttafel zu lesen: „Der Drehstuhl, den sich jede Frau beliebig hoch einstellen kann, gewährt die Möglichkeit, die meisten Arbeiten in der Küche sitzend vornehmen zu können.“

Immer mit dem Gedanken, nicht ausreichend Material zum Frankfurter Stuhl und eine Verbindung zum Bauhaus zu haben, bat ich meinen Sammlerfreund Benedikt Georgi um eine Auskunft. Benedikt Georgi besitzt nicht nur eine sehr umfangreiche Miniaturensammlung und das Wissen zu jedem Stuhlentwurf, sondern ist auch ambitionierter Bauhausexperte mit einer sehr umfangreichen Bibliothek, in der es zum Frankfurter Stuhl Informationen hätte geben müssen. Hier nun seine Antwort:

„Auch Ich habe noch weiter bezüglich des Frankfurter Stuhls recherchiert. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass er weder mit der Frankfurter Küche noch mit dem Bauhaus zu tun hat. Es scheint ein anonymer Werksentwurf zu sein, der insbesondere in den fünfziger Jahren verschiedentlich kopiert bzw. leicht verändert produziert wurde und zum Inbegriff eines Stuhls wurde. Da die Frankfurter Küche als Ursprung aller Einbauküchen gilt, haben findige Marketingleute den Stuhl dann irgendwann als Frankfurter Stuhl vermarktet.“

Dessen ungeachtet habe ich mich mit dem Frankfurter Stuhl weiter beschäftigt und ihn als Miniatur für meine Sammlung angefertigt.

Maße der Miniatur: 66 x 71 mm, 135 mm hoch.

Maßstab der Miniatur:1:6

Die Miniatur habe ich aus massivem und teilweise schichtverleimtem Buchenholz angefertigt. Reduziert, so wie der heute noch von Stoelcker hergestellte Stuhl, besteht  auch meine Miniatur aus zwei geraden Vorderbeinen, zwei leicht geschwungenen Hinterbeinen, einem formverleimtem Sitz mit gerundeter Vorderzarge und einer leichten Sitzmulde sowie der gebogenen Rückenlehne.

Die folgenden Abbildungen zeigen einige Schritte meiner Anfertigung.

  

Um die Mulde in die Sperrholzplatte des Sitzes einzuprägen, habe ich aus dünnen Tischlerplatten zwei Schablonen geschnitten. Einen Zuschnitt habe ich in der Größe der Sitzmulde rund ausgeschnitten und das Gegenstück mit drei runden Furnierplättchen in unterschiedlichen Größen aufgefüttert. Um scharfe Kanten durch den Druck beim Verleimen der Sitzplatte zu vermeiden, habe ich Ausschnitt und Plättchen mit Schaumstoff aufgefüttert.

  

  

Den Sitzrahmen habe ich aus mehreren Lagen Buchenfurnier formverleimt und später mit der gefrästen und geschlitzten Vorderzarge und der Sitzplatte verbunden. Die mit einem Zapfen versehenen Vorderbeine und die später ausgeklinkten Hinterbeine geben der Miniatur nach dem Verleimen seine Stabilität.

Die Abbildungen oben und unten zeigen die Miniatur vor dem Verleimen, einfach nur probeweise zusammengesteckt.

  

Brian Wood

Sonntag, 31. Dezember 2017

Miniatur „Rear Guard Chair MK II“

Jaguar Mark II, Baujahr 1959, Maßstab 1:18
Rear Guard Chair MK II, Entwurfsjahr 1979, Maßstab 1:6

Der Rear Guard Chair MK II ist ein Entwurf des Australiers Brian Wood aus dem Jahr 1979. Inspiriert durch die Formensprache eines Jaguar Mark II schuf Brian Wood diesen aus nur zwei gleichen Seitenteilen und einer Sitzschale bestehenden Sessel.

Für mein Foto lieh mir ein Freund aus seiner Modellautosammlung das Modell eines Jaguar Mark II im Maßstab 1:18. Deutlich lassen sich formale Übereinstimmungen, wie z.B. die der Heckklappe und der hinteren Radausschnitte erkennen.

  

Fasziniert von der reduzierten, aber trotzdem aufwendigen Konstruktion dieses Sessels, nahm ich mir vor, eine Miniatur für meine Sammlung anzufertigen. Zwei in einem Internetbeitrag gefundene Abbildungen (s.oben) waren Vorbild für meinen Nachbau.

Maße der Miniatur: 120 x 142 mm, 108 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Um die Einzelteile der Miniatur herzustellen, schnitt ich aus mehreren Lagen zusammengeleimter MDF-Platten eine Form in Kontur der Seitenteile. In ihr verleimte ich sieben Lagen 0,6 mm starkes Buchenfurnier. Da sich das Formholz auch nach der Verarbeitung noch verändert, stellte ich das Seitenteil in doppelter Breite her und schnitt es später in zwei gleichbreite Teile. So ist gewährleistet, daß sich die Seitenteile gleichmäßig verändern und die Miniatur einen festen Stand behält.

In einer zweiten Form verleimte ich aus fünf Lagen Buchenfurnier die Sitzschale. Nach Bearbeitung der Kanten und einem gründlichen Oberflächenschliff, schnitt ich die Aussparungen zur Aufnahme der Sitzschale in die Seitenteile. Bereits durch einfaches Zusammenstecken, entstand so diese wunderschöne Miniatur. Nach dem noch ausstehenden Lackieren mit seidenmattem Klarlack, werden die Seitenteile fest mit der Schale verbunden, um so die gewünschte Stabilität zu erreichen.