Archiv für die Kategorie ‘1800 – 1899’

Jacob und Josef Kohn

Sonntag, 05. November 2017

Miniatur „Schaukelsessel No. 9“

„In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Bugholzfirmen mit der Herstellung von Schaukelsesseln, die als Symbol für Muße und Entspannung dem Bedürfnis des Bürgertums nach angemessenem Lebenskomfort entsprachen.

Um 1882 brachte die Firma Jacob & Josef Kohn ein Modell auf den Markt, das sich deutlich von den früheren Schaukelsesseln unterschied. Eine Doppelschlaufe, die sich klar vom Rahmengestell abhebt, faßt auf jeder Seite die stützenden Funktionen zusammen. Da die hinterbeinähnlichen Stützen der Vorbilder wie dem Thonet-Schaukelsessel durch die hintere, kleinere Bugholzschlaufe ersetzt wurden, wirkt die Konstruktion des Sessels elegant und schwerelos.“ (Auszug aus der Begleitbroschüre zur Miniatur des Vitra Design Museums.)

Die Miniatur des Schaukelsessel No. 9 wird seit 1999 vom Vitra Design Museum produziert und angeboten.

Maße der Miniatur: 102 x 200 mm, 160 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Mehrere Lagen Furnierstreifen, formgebogen und verleimt, bilden die Seitenrahmen der Miniatur. Die Doppelrahmen für die Sitz- und Rückenfläche sind aus massivem Buchenholz gebogen und nehmen das Wiener Geflecht aus gespaltenem Binsengras auf. Alle Holzteile sind dunkel gebeizt und anschließend mit Schellackpolitur beschichtet.

Unten zeige ich eine Abbildung aus einem Sonderdruck des Journals „design report“ vom Januar/Februar 1996 in dem über die Miniaturenproduktion des Vitra Design Museums berichtet wird. Das Bild zeigt den Weber des Wiener Geflechts.

Hans Günther Reinstein

Sonntag, 30. August 2015

Miniaturen „Reinstein-Sitzgruppe“

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Die 4-teilige Sitzgruppe wurde 1908 von Hans Günther Reinstein entworfen. Reinstein war Maler, Schüler von Peter Behrens und Gründungsmitglied der Gruppe „Vereinigte Kunstgewerbler Darmstadt“.

Die halbrund geformten Entwürfe, zu denen auch Schreibtische, Etageren, Blumenständer und Betten gehören, sind aus Buchenbugholz und dem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Möbelwerkstoff Presspappe hergestellt. Die vertikal gerillte und weiß gestrichene Presspappe war ein von Hans Günther Reinstein im Jahr 1907 patentiertes Material- und Herstellungsverfahren. Produzenten für seine Entwürfe waren die Möbelfabrik Germania, Bad Lauterburg im Harz und Pressstoff-Möbel-Gesellschaft in Wien.

Die Miniaturen der „Reinstein-Sitzgruppe“ wurden von der Galerie Ambiente in Wien hergestellt.

Maße der Miniaturen:
Sessel:  90 x 85 mm, 130 mm hoch,
Bank:  180 x 85 mm, 130 mm hoch,
Tisch: 135 x 87 mm, 130 mm hoch.

Maßstab der Miniaturen: 1:6

Die 4-teilige Miniaturensitzgruppe besteht aus einer Sitzbank, zwei Sesseln und einem ovalen Tisch.

Rahmen und Zargen sind halbkreisförmig aus ca. 5 mm starkem Buchensperrholz herausgeschnitten und nach dem großen Vorbild teilweise gerundet und entsprechend profiliert. Die ungepolsterten Sitzflächen, die Tischplatte und die vorderen Stützen sind aus dünnerem Sperrholz hergestellt. Die Rück- und Seitenwände sowie der Tischsockel bestehen aus vertikal gerillter Wellpappe und sind wie auch die konstruktiven Holzteile weiß lackiert.

Die Fußgleiter, die Zierstücke auf den Armlehnen und die außen angebrachten  miniaturisierten Ziernägel sind schwarz lackiert.

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Charles Rennie Mackintosh

Sonntag, 06. Juli 2014

Miniatur „Argyle Chair“ 

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Den Argyle Chair entwarf der britische Architekt und Designer Charles Rennie Mackintosh im Jahr 1897 für die Einrichtung der Argyle Street Tearooms im schottischen Glasgow. Der Stuhl wurde aus Eichenholz hergestellt und mit einer Rosshaarpolsterung oder einem Binsensitz versehen.
Das ovale, in die seitlichen Enden der Rückenlehne eingelassene Kopfstück, ist mit dem Motiv eines fliegenden Vogels verziert.
Die Miniatur aus meiner Sammlung wurde in den Jahren von 2000 bis 2010 vom Vitra Design Museum produziert und angeboten.

Maße der Miniatur: 81 x 78 mm, 231 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Gestell der Miniatur ist aus Nußbaum hergestellt, leicht gebeizt und seidenmatt lackiert. Markant sind die doppelten Querstreben, die vorne und seitlich die Stuhlbeine miteinander verbinden und stabilisieren.
Der Sitz ist aus feinem Garn geflochten und in diesem kleinen Maßstab handwerklich perfekte verarbeitet.
Zu dieser Miniatur gehört ein Holzkistchen des Vitra Design Museums und eine Informationsbroschüre.

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Karl Friedrich Schinkel

Sonntag, 08. Juni 2014

Miniaturen Gartenstuhl und Gartenbank

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Der Gartenstuhl aus Eisen wurde um 1820 von dem preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel entworfen. Die charakteristischen Elemente sind zwei identische, in einem Stück gegossene Seitenteile, schmiedeeiserne Stäbe zur Querverbindung und die dekorative und ergonomisch verformte Rückenlehnenfüllung. Die unterschiedlich langen Querverbindungen, eingelassen in die Bohrungen der Seitenteile, bilden den Stuhl oder die Bank.

Der Entwurf Schinkels ist ein frühes Beispiel für eine industrielle Fertigung und die Möglichkeit der Serienproduktion.

Die Miniatur des Gartenstuhls wird seit dem Jahr 2000 vom Vitra Design Museum hergestellt und vertrieben. Die Miniatur der Gartenbank ist eine Einzelanfertigung.

Maße der Miniaturen:
Stuhl: 81 x 89 mm, 140 mm hoch,
Bank: 182 x 89 mm, 133 mm hoch.

Maßstab der Miniaturen: 1:6

Die Seitenteile und Rückenfüllung aus einem Metallguss sowie die Querverbindungen aus Eisendraht sind anthrazitfarbig beschichtet. Durch eine spezielle Zusammensetzung des Lackes wurde der typische Charakter von Gusseisen erreicht.
Wie beim großen Original zeigen die Dekore der Seitenteile und der Rückenfüllung klassizistische Motive.
Zur Miniatur des Stuhles gehört ein Holzkistchen und eine kleine Informationsbroschüre.

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Gebrüder Thonet

Sonntag, 25. Mai 2014

Miniatur „Thonet Nr. 18“

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Den Stuhl Nr. 18 entwarfen die Gebrüder Thonet im Jahr 1875. Bis auf die Rückenlehnenfüllung unterscheidet er sich kaum von der Nr. 14. Die Rückenlehnenfüllung reicht von der oberen Rückenlehnenbiegung bis zur Hinterkante des Sitzes, an dem sie verschraubt ist.
Die Miniatur ist eine Einzelanfertigung und deshalb wieder eine kleine Kostbarkeit in meiner Sammlung.

Maße der Miniatur: 68 x 84 mm, 149 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Alle Gestellteile der Miniatur sind aus Buchenholz massiv gebogen. Der Sitzring ist aus Sperrholz ausgeschnitten und mit einem leicht verformten Holzsitz versehen.
Die Oberfläche aller Holzteile ist dunkelbraun gebeizt und seidenmatt lackiert.

Da ich in meiner Literatur und auch in anderen Quellen kaum Informationen über den Stuhl und vor allem über die angebrachte Fußverbindung fand, habe ich wieder die Hilfe des Thonet-Experten Wolfgang Thillmann in Anspruch genommen.

Herr Thillmann stellte mir nicht nur eine Übersicht der verschiedenen Fußverbindungen zur Verfügung, sondern gab mir auch die nachstehenden Informationen, die ich gerne zitiere:

„Die Miniatur des Sessels Nr.18 hat die Fußverbindung Nr. 27. Thonet bot eine Unzahl unterschiedlicher  Fußverbindungen an. Die normale Ausführung ist der Fußring, er hat die Nr.1. Alle Sessel und Fauteuil wurden damit grundsätzlich ausgestattet. Gegen entsprechenden Aufpreis waren auch andere Fußverbindungen möglich, ab einer Bestellung von 5000 Stück dann sogar ohne Aufpreis gegenüber der Normalausführung.“

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© Archiv W. Thillmann

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© Archiv W. Thillmann

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Adolf Loos

Sonntag, 11. Mai 2014

Miniatur „Stuhl für das Café Museum“

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Der österreichische Architekt Adolf Loos entwarf 1898 für die Innenausstattung  des Café Museum in Wien den Stuhl No. 255, den so genannten  „Stuhl für das Café Museum“. Hergestellt wurden die Stühle durch den Bugholzmöbelhertseller Jakob & Josef Kohn in Wien.

Die Miniatur dieses Stuhles wurde vom Vitra Design Museum für die Miniaturenausstellung Designmaßstäbe angefertigt und wird im Ausstellungskatalog unter der Position 8 geführt.

Maße der Miniatur: 75 x 86 mm, 146 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Stuhlbeine, Rückenelemente und Fußverbindungen der Miniatur sind aus Bugholz hergestellt, dunkelbraun gebeizt und glänzend lackiert. Der trapezförmige und aus verleimtem Schichtholz hergestellte Sitzrahmen ist mit Wiener Geflecht aus gespaltenem Binsengras bespannt.
Die Verdickung am Sitzrahmen – zur Aufnahme der Stuhlbeine – und die Verschraubungen  sind trotz der miniaturisierten Größe wie beim großen Original sehr präzise ausgeführt.

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Shaker

Sonntag, 12. Januar 2014

Miniatur “ Shaker-Stuhl „

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Shaker-Stühle wurden Mitte des 19. Jahrhunderts von Mitgliedern der Shaker Gemeinde, einer an der Nordküste der USA angesiedelten christlichen Glaubensgemeinschaft, entworfen und ursprünglich für den eigenen Bedarf hergestellt. Das Stuhlgestell bestand aus gedrechselten Beinen und Traversen, die Sprossen der Rückenlehne wurden aus gebogenem Holz angefertigt. Geflochtene Baumwollbänder bildeten die Sitzfläche.
Die Miniatur des Shaker-Stuhls wurde vom Vitra Design Museum für die Miniaturenausstellung Designmaßstäbe hergestellt und wird im Ausstellungskatalog unter der Position 03 geführt.

Maße der Miniatur: 79 x 67 mm, 184 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Das Gestell meiner Miniatur ist aus gedrechseltem Ahornholz angefertigt und wie beim großen Original sind die Sprossen der Rückenlehne gebogen. Die Kopfstücke (finals) der Hinterbeine sind formgedrechselt, alle Holzteile sind nußbaumfarbig gebeizt und lackiert. Die Sitzfläche der Miniatur ist aus roten und schwarzen Wollfäden geflochten.

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Gebrüder Thonet

Sonntag, 17. November 2013

Miniatur „Thonet Nr.25“

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Ein Thonet Stuhl Nr. 25 aus der Sammlung des Vitra Design Museums war Vorbild für die Miniatur meiner Sammlung. Da ich kaum Hinweise zum Entwurfsjahr, der Modellbezeichnung und dem Produktionsbeginn dieses Stuhles besaß , nahm ich gerne die angebotene Hilfe des Thonet-Kenners Wolfgang Thillmann an und zitiere hier seine ausführlichen Informationen:

„Es ist also der „Teppichklopfer“. Der Stuhl wurde in dem Katalog von 1879 erstmals angeboten, man kann aber davon ausgehen, dass er schon ein oder zwei Jahre früher produziert wurde. Das Problem ist, dass wir aus der Zeit von 1873 bis 1879 keine Unterlagen haben, was die Produktpalette betrifft; also: 1879 erstmals im Katalog. Gleichzeitig gab es auch einen sogenannten Halbfauteuil. Halbfauteuils hatten im Gegensatz zu den großen Fauteuils immer nur einfache Armlehnen, die an der Seite des Sitzrahmens befestigt waren, während die Armlehnen der großen geschneckt waren und auf dem Rahmen aufsaßen. Von der Nr. 25 gab es nie einen großen Fauteuil, aus welchen Gründen auch immer.

Es wurde ein ähnliches Modell wie die Nr. 25 hergestellt: im zeitlichen Umfeld entstand die Nr. 26, bei der die drei – ich nenne sie jetzt mal „Haarnadeln“ im Rücken sich nicht kreuzen, sondern nebeneinander liegen.“

Ich danke Herrn Thillmann besonders herzlich für seine Hilfe und die ausführlichen Informationen zu diesem Stuhl.  Den Lesern meines Blogs, die sich auch für die großen Thonet Originale interessieren, empfehle ich die Website von Herrn Thillmann.

Hier sind nun die Informationen zur Miniatur:

Maße der Miniatur: 69 x 82 mm, 155 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniatur wurde in den Werkstätten des Vitra Design Museums angefertigt und ist ein Einzelstück, da sie nicht in die Miniature Collection des Museums aufgenommen wurde.
Hergestellt ist die Miniatur aus Buchen-Bugholz mit sehr fein gedrechselten Kapitellen an den Vorderbeinen und drei ineinander verlaufenden Schlaufen in der Rückenlehne. Die in den eckigen Sitzrahmen eingearbeitete Sitzplatte ist aus Sperrholz. Alle Holzteile sind leicht angebeizt und seidenmatt lackiert.

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Michael Thonet

Sonntag, 27. Oktober 2013

Miniaturen „Bopparder Stuhl“

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Michael Thonet entwarf in den Jahren von 1836 bis 1840 verschiedene Modelle des Bopparder Stuhls. Das fertige Stuhlgestell besteht aus zwei Seitenteilen, die durch vier Querstreben und einen Sitzrahmen miteinander verbunden sind. Der Sitzrahmen des Stuhles wurde entweder ausgepolstert, mit Korbgefelecht bespannt oder mit einem ungepolsterten Holzsitz versehen.

In meiner Sammlung befinden sich zwei Miniaturen des Bopparder Stuhls. Die Miniatur mit  Holzsitz wurde vom Vitra Design Museum für die  Miniaturenausstellung Designmaßstäbe hergestellt und wird im Ausstellungskatalog unter der Position 02 geführt. Die Miniatur mit der Sitzfläche aus Rohrgeflecht ist eine Einzelanfertigung und wurde nicht in die Vitra Miniatures Collection aufgenommen.

Maße der Miniatur: 69 x 85 mm, 142 mm hoch.

Maßstab der Miniatur: 1:6

Die Miniaturen aus meiner Sammlung sind aus Buchenholz hergestellt, mahagonifarbig gebeizt und mit einer Schellackpolitur versehen. Die Seitenteile und Querstreben unter dem Sitz bestehen aus mehreren Lagen Furnierstreifen und sind formgebogen. Die Querstreben im Bereich der Rückenlehne sind aus Massivholz herausgeschnitten, die Sitzfläche einer Miniatur ist aus Holz und ungepolstert, die der zweiten Miniatur ist mit einem Rohrgeflecht bespannt.

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Thonet_Bopparder-Stuhl07 Thonet_Bopparder-Stuhl08

Thonet

Sonntag, 25. November 2012

Miniatur „Demonstrationsstuhl“

August Thonet, Michael Thonets Sohn, entwarf den Demonstrationsstuhl 1867 als Experimentierobjekt für die im gleichen Jahr in Paris stattfindende Weltausstellung. Der aus zwei langen gebogenen Buchenrundstäben hergestellte Stuhl sollte eine Belastung von 6 Tonnen aufnehmen. Die in meiner Sammlung befindliche Miniatur im Maßstab 1:6 ist eine Einzelanfertigung.

Maße: 105 x 106 mm, 140 mm hoch.

Die Miniatur ist aus braun lackiertem Eisendraht hergestellt. Der Draht für die Stuhlfüße und den äußeren Rücken ist an den Enden verbunden und ergibt so eine Endlosschleife. Die Drahtenden von  Sitz und dem inneren Rücken enden in der Mitte des Sitzes als offene Schleife.

Da sich Buchenrundstäbe in diesem kleinen Maßstab und in der erforderlichen Länge nicht zu einer Miniatur verarbeiten ließen, wurde der Demonstrationsstuhl nicht vom Vitra Design Museum aufgelegt.